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Predigt

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Predigt über Epheser 2,17-22 am 13.6.2010 in der Lutherkirche

 

 

Liebe Gemeinde!

Die ersten Male, als ich davorstand, dachte ich: da stimmt was nicht. Aber was?

Wir haben hier vorne zwei Türen. Die zur Sakristei. Und die da drüben. Sie führt zu einer Wohnung. Dort wohnt das Ehepaar Weber. Wenn man sich davor stellt, denkt man – eine normale, eine schöne Holztür, passt hier rein. Aber es ist eine Tür zu einer Wohnung? Ist es Ihnen aufgefallen. Sie hat kein Schloss. Kann also jeder einfach rein? Wenn man probiert – sie ist verschlossen.  Ohne sichtbares Schloss außen. Keiner kann also von hier aus hinein – selbst wenn er den Schlüssel für die Tür hätte. Denn sie ist von innen auf – und zuzuschließen.

Der Zugang zur Wohnung ist also von hier aus nicht ohne den, der drin ist, möglich.

Unser Predigttext hat diese Problematik auch zum Hintergrund. Wem macht Gott die Tür auf?

Der Brief an die Gemeinde in Ephesus wird Paulus zugeschrieben. Aber einiges darin, wie auch der Stil, spricht eher dafür, dass einer im Namen von Paulus diesen Brief geschrieben hat. Deswegen spreche ich jetzt von dem Verfasser. Für ihn, den Verfasser war es eine nicht ganz unproblematische Situation. Denn die Botschaft Gottes galt zuerst den Juden. Jesus war Jude, seine Jünger, die ersten Anhänger auf jeden Fall. Sie waren nah dran. Deswegen nennt er sie: „die nahe waren“.  Aber mit Ausbreitung des Christentums gab es Gemeinden, eben wahrscheinlich auch die in Ephesus- es liegt in Kleinasien, der heutigen Türkei, - es gab also Gemeinden in denen nicht die getauften Juden in der Überzahl waren, sondern diejenigen, die vom Heidentum zum Christentum übergetreten waren.  Von ihnen sagt der Verfasser: „die ihr fern wart“.

Und er gebraucht das Bild von der Wohnung Gottes. Jetzt sind wir wieder bei der Tür.

Die getauften Juden, sie hatten das Gefühl, dass sie drin waren. Denn sie glaubten schon an Gott selbst als sie noch ungetauft waren. Sie waren sozusagen fast geborene Mitglieder. Und die Heidenchristen – denen musste erst die Tür geöffnet werden.

Der Verfasser des Epheserbriefes stellt aber nun klar: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Er stellt klar. Nicht wir Menschen öffnen da eine Tür. Nicht wir bestimmen, wer dabei sein darf. Gott ist das. Für mich ist das eigentlich eine ganz aktuelle Aussage. Anfang Mai feierten wir den ökumenischen Kirchentag. Wir Evangelische tun dies mit den Menschen einer Kirche, deren obersten Vertreter sagen: Wir sind die nahen. Wir sind Kirche. Ihr Evangelischen  seid es nicht.

Aber die Thematik geht noch weiter. Sie bezieht sich nicht nur auf die Ökumene. In der Evangelischen Kirche gibt es seit Ulrich Zwingli, dem schweizer Reformator, die Unterscheidung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche. Das, was wir sehen, die verfasste Kirche und ihre Mitglieder – das ist die sichtbare Kirche. Aber es gibt darüber hinaus, oder daneben eine unsichtbare Kirche. Die umschließt alle Gläubigen. Diese Kirche ist nicht zu sehen. Die ist nicht zu regeln mit Mitgliedschaft und Kirchensteuern oder ähnlichem. Wie die aussieht, weiß der, der auch die Tür zu seiner Wohnung öffnet. Im Ephesusbrief wird das klar benannt: Durch Jesus Christus haben alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. Er macht die Tür zur Wohnung Gottes auf. Im Johannesevangelium werden sogar die Worte von Jesus überliefert: „Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird selig werden.“

Es sind also nicht wir Menschen. Wir können uns zusammenschließen zu Gemeinden und zu Kirchen. Wir wissen aber, das ist menschliche Organisation. Das ist nicht göttlich.

Die menschliche Organisation richtet sich nach dem aus, was in Bibel steht. Danach gestaltet sie ihre Formen.

Unsere römisch katholischen Schwestern und Brüder, vielleicht vor allem die Brüder, die diese große und alte Kirche leiten, sind manchmal in der Versuchung auch die Kirche mit der göttlichen Ordnung gleichzusetzen. Vor allem, wenn es um so etwas wie die Unfehlbarkeit des Papstes geht. Ich will jetzt nicht gegen die katholische Kirche wettern, weil ich viel zu viel Respekt und Anerkennung für diese alte und ehrwürdige Kirche empfinde. Aber ich sehe die Not vieler Katholiken bei uns – und ich spreche viel mit katholischen Christen – dass sie mit dem, was da geschieht nicht mehr in eins gehen können. Wieso verschließt man den Frauen und den Verheirateten die Tür zum Priesteramt. Was hat das mit Jesus zu tun? Wieso schließt man Wiederverheiratete vom Abendmahl aus?

Die Konflikte der ersten Christenheit in Ephesus, damals unter Judenchristen und sogenannten Heidenchristen empfinde ich innerhalb der christlichen Kirchen heute.

Sobald wir meinen, wir hätten den Schlüssel zu der Tür, dann stimmt es nicht mehr. Christus ist der Eckstein, heißt es im Epheserbrief. Also damit kann der Grundstein gemeint sein, oder der Schlussstein, der auch alles zusammenhält. Auf jeden Fall ist er es, auf dem der Bau ineinandergefügt wächst, wie es im Brief heißt. Das ist das Entscheidende. Durch ihn werden wir mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Wenn wir uns gegenseitig so akzeptieren, auch in unserer Vielfalt, dann  sind wir alle eben nicht mehr Fremdlinge, sonder Mitbürger und Gottes Hausgenossen.

Die christlichen Kirchen sind so vielfältig wie es Menschen gibt. So war gestern die Einweihung des Gemeindezentrums der Adventgemeinde hier gegenüber auf der Steig. Wieder eine andere Form das Christsein zu leben.

Vertrauen wir alle darauf, dass wir nicht vor einer verschlossenen Tür stehen, wie jetzt hier bei der Wohnung, wenn wir reingehen wollten, sondern dass Gott uns weit die Tür aufhält und sagt: Ihr seid meine Mitbewohner.

Herzlich willkommen!

Amen

 

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