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Predigt

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Predigt über Epheser 3, 14-21 am 16.5.2010 in der Lutherkirche

 

 

Liebe Gemeinde!

So was haben die meisten im Haus. Wir benutzen es auch dauernd. Das ist das Regal umzustellen – passt es dahin? Da ist etwas aufzuhängen. Hängt es auch in der Mitte? Da ist etwas abzusägen. Wie lange soll es sein? Es ist relativ häufig in Gebrauch. Der Zollstock. Wir wollen es exakt sehen. Wir wollen es in Zahlen haben, damit wir vergleichen können. Selbst meine Kinder nutzten es in großen zeitlichen Abständen: Wieviel bin ich gewachsen? Bin ich wirklich größer als mein Vater? Es sagt etwas aus, wenn man abmisst, ja für manche auch, wenn sie die genau Zahl wissen. Wir sind es gewöhnt so zu leben. Dass wir messen. Die Breite, die Länge, die Höhe. Überall messen wir. Und überall haben wir Meßgeräte.

Wenn wir Autofahren messen wir die Strecke, die wir zurücklegen. 100 Kilometer in einer Stunde. Selbst das Vergehen der Zeit messen wir. Es ist ein Zeitmesser, den wir am Handgelenk haben.

Was wir messen können ist wirklich: 193 cm, ja, mein Sohn ist wirklich größer als ich. 58 cm haben wir Platz. Nein, ein 60er Regal passt nicht an diese Stelle. Der Zeiger ist fünf Minuten weitergegangen, also ist wirklich dieser Abschnitt Zeit vergangen.

Aber natürlich ist jedes messen etwas relatives. Es ist etwas Vergleichendes. Z.B. den Meter, den hat die französische Nationalversammlung im 18. Jahrhundert festgelegt, es sollte der 10 Millionste Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator sein. Das ist wurde das Maß. Es ist eine irgendwann getroffene Festlegung – danach wird jetzt Länge, Höhe, Breite definiert.

Im Epheserbrief ist davon die Rede: von Breite, Länge, Höhe und Tiefe. „So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen,“ heißt es da, „welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist.“ Gibt uns der Verfasser des Epheserbriefes da ein Metermaß an die Hand? Also so breit, so lang, so hoch, so tief ist das jetzt.

Aber was? Natürlich gab es damals ein Längenmaß, nicht den Meter. Und es gab das menschliche Bedürfnis zu erkennen, zu begreifen. Und erkennen und begreifen kann ich, indem ich vergleiche. Indem ich etwas mit etwas Bekanntem gleichsetze. Beim Metermaß ist es klar. Oh, der ist 2 m groß, sagen wir von jemand – und wir wissen dann, der ist größer als fast alle anderen Menschen. Frankfurt ist 50 Kilometer weg. Das geht man nicht zu Fuß, das ist klar. Da brauche ich etwas, was mich dahinfährt.

Was wird im Epheserbrief vermessen? Oder, sagen wir, von was sollen wir Ausmaße erkennen? Es ist natürlich etwas, was wir nicht sehen.  Sagen wir mal wie die Zeit. Die sieht man nicht so direkt wie die Größe eines Menschen, der vor mir steht. Ich kann sie mir bewusst machen, indem ich das Vergehen in irgendeiner Art und Weise sichtbar mache. Durch Zeiger, oder durch Töne hörbar.

Der Epheserbrief spricht nicht von einem Schrank, bei dem wir die Ausmaße sehen. Er spricht von etwas, das nicht messbar zu sein scheint. Das wir gar nicht greifen, also begreifen können – das wir nicht messen können. Es ist nicht zu sehen, es ist nicht zu hören, es ist mit einer Uhr einzuteilen, es ist nicht mit dem Zollstock abzumessen. So groß ist es…

(Zollstock völlig ausklappen)

Nein, das ist es nicht.

Aber der Epheserbrief sagt: So könnt ihr begreifen. Das griechische Wort heißt hier wörtlich: geistig erfassen. Also wirklich, so wie ich einen 2 Meter Mann sehe – dann habe ich es geistig begriffen, erfasst. Der ist groß.

So können wir begreifen, geistig erfassen – was die Liebe Gottes ist. Was ihre Breite und Länge, ihre Höhe und Tiefe ist.

Ja, haben wir den Zollstock, die Messlatte? Für etwas, was wir nicht sehen? Für etwas, was wir nicht wissen? Für etwas, was wir meist sogar gar nicht spüren. Haben wir ein Messgerät?

Der Verfasser des Epheserbriefes sagt: Ihr bekommt es, wenn ihr eure Knie beugt, wenn ihr darum bittet. Es ist der Geist Gottes, es ist seine Kraft, die einem den Blick gibt für Christus. Christus ist sichtbar geworden. Seine Worte und seine Taten erzählten sich die Christen immer weiter. Er ist Christus, der uns den Maßstab für Gottes Liebe liefert. Der uns das Erkennen gibt, das Begreifen, das geistig erfassen. „Breite, Länge, Höhe, Tiefe“ – und dies mit allen Heiligen, heißt es im Epheserbrief überschwänglich. Woh, das ist schon etwas. Für den Verfasser des Epheserbriefes etwas, weswegen er auf die Knie geht. Das ihn vielleicht auch überwältigt? „damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.“ Es ist jedenfalls etwas, das überwältigend ist, aber gleichzeitig in uns reinpasst. Es ist nicht groß, es ist ist nicht zu tief, dass wir es nicht erfassen könnten. Oder nein, vielleicht ist besser gesagt. Es ist nicht zu groß und zu tief als dass es uns erfassen könnte. Es kann uns ausfüllen. Die Liebe Christi – das ist die ganze Fülle Gottes. Das ist der Zollstock für Gott. Gott hat seine Liebe zu uns passend für uns Menschen gemacht. Indem er selbst Mensch geworden ist.

Schauen wir auf dieses „Messgerät“ sozusagen, auf Christus. Bitten wir um das richtige Begreifen und Erkennen – den Geist Gottes dazu. Und wir können die Breite, Länge, Höhe und Tiefe erfassen!

Fast so wie wir, wenn wir den Zollstock ausklappen, die Breite des Regals sehen können. Ja, so wie Christus, so ist Gott. Menschenzugewandt, das Heil bringt er, Heilung, Trost, Heilung für Körper und Seele. So ist Gott. Wir dürfen eine Aussage über ihn wagen, wenn wir Christus anschauen. Wir dürfen ihn vergleichen. Wir dürfen ihn ansprechen, wir können sagen: Vater Unser. Ja, so wie die Liebe eines Vaters für seine Kinder, so ist Gottes Liebe für uns. Wir können Bilder gebrauchen: Der Herr ist mein Hirte.

Wir haben die Möglichkeit Gottes Liebe geistig zu erfassen. Wenn das kein Glück ist! Er ist kein fernes Prinzip, kein Naturgesetz, kein unerkennbares Geheimnis, nach dem alle suchen. Er ist etwas, das sich finden lässt. Wir dürfen unsere menschliche Maßstäbe auch anwenden, weil Gott in Christus Mensch geworden ist.

Seine Liebe ist messbar in der Zugewandtheit von Jesus zu den Menschen. Er hat sich uns Menschen ausgeliefert, hingegeben – er ist für uns gestorben, weil er sagen wollte: so groß ist Gottes Liebe. Dass er sich für euch hingibt, dass er den Tod für euch überwindet, dass er euch mit hineinnimmt und das, was eigentlich unfassbar, unmessbar ist: in das, was wir ewiges Leben nennen. Wir sind mit hineingenommen in seine ewige Liebe, in der alles messen und vergleichen ein Ende hat, in der nur noch Gott ist. In seine Liebe, in der wir dann alle Messgeräte beiseite legen können und wie heißt es im Epheserbrief: „damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.“

Amen

 

 

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