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Predigt

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Predigt über Joh 1, 26  Ostersonntag 2010 in der Lutherkirche

 

 

 „Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“

 

Liebe Gemeinde!

Haben Sie auch eines zuhause? Ein Osterlamm?

Ein Lamm ist ein jugendliches, kindliches Schaf. Bis zu einem Jahr alte Schafe darf man als Lämmer bezeichnen.  Für uns Menschen, wenn wir sie sehen, sind sie besonders putzig anzuschauen, wie junge Tiere eben das oftmals sind. Das Fleisch eines Lammes schmeckt auch gut.

Auch an Ostern heute singen wir beim Abendmahl „Christe, du Lamm Gottes“ Martin Luther hat die Texte der lateinischen Messe ins Deutsche übersetzt: Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis. Christe, DU Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser.

In unserer christlichen Tradition ist sie schon so vertraut diese Symbolik, aber doch scheint sie im allgemeinen Bewusstsein immer fremder zu werden. Die Ostereier, die Hase, das bunte, die Blümchen, das Frühlingsfest deckt die christliche Symbolik zu. Ich habe jedenfalls neben den vielen Schokoladenosterhasen noch kein Schokoladenlämmchen entdeckt. Ist es doch eigentlich zu fremd? Von einem katholischen Christen, der bei uns im Gottesdienst war, hörte ich: Ihr singt ja noch von der Sündenvergebung, das Agnus Dei. Das ist doch so traurig und belastet doch nur die Menschen.

Ja, wir wollen nicht belastet werden. Wir wollen, dass uns die Last genommen wird. Wenn von Sünde gesprochen wird, ist das anscheinend eher eine Last, die uns auferlegt wird. Ist das Reden von Sünde zu sehr zum leeren moralischen Gerede geworden? Gerade bei denen die davon reden und selbst ein moralisch verwerfliches Leben führen? Die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle scheinen das zu bestätigen. Ist das Benennen von Sünde eher verdächtig, die Menschen klein zu machen und niederzudrücken. Macht über sie zu bekommen?– da stand Kirche immer im Verdacht. Dabei ist der ursprüngliche Gedanke gerade das Gegenteil. Das Bild vom Lamm kommt ja aus der Lebenswelt Jesu, dem Judentum. Es ist das Lamm, das vor dem Auszug des Volkes aus Ägypten geschlachtet wird. Sie kennen die Geschichte. Und hier kommt schon dieser Opfergedanke mit ins Spiel. Das Blut des Lammes, das geschlachtet wird, rettet die Israeliten davor, dass der Engel Gottes auch ihre Erstgeburt tötet. Die Türpfosten werden mit diesem Blut bestrichen, so dass gekennzeichnet ist, wer verschont werden soll. Ein archaischer Gedanke: Wenn ich ein Zeichen mit Blut mache, werde ich von der Strafe Gottes verschont. Später wird es im 3. Buch Mose eine Vorschrift geben, dass durch ein Opfer eines Lammes vor dem Priester, ein Mensch von seinen Sünden gereinigt werde. Die Sünden, die die Menschen  z.B. als die Ursache für eine Krankheit ansahen.  Dann - beim Proheten Jesaja wurde von dem kommenden Messias geweissagt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. „ Und es geht weiter bei Jesaja: „Er litt doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zu Schlachtbank geführt wurde.“

Die Menschen zur Zeit Jesu kannten diese Sätze, diese Symbolik und so spricht Johannes es von Jesus aus, was prägend in den christlichen Glauben und seine Symbolik eingehen wird: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“

Wenn hier von Sünde die Rede ist, dann ist gerade nicht damit gemeint, dass sie uns beschwert. Es ist gemeint, dass das Lamm uns die Last abnimmt, die uns beschwert. Das Wort Sünde kommt von dem Wort absondern. Jesus nimmt mit seinem Eintreten für uns alles das hinweg, was uns von Gott trennt. Gott beseitigt die Mauer zwischen ihm und dem Menschen, in dem er selbst Mensch wird und durch das Leid hindurch den Tod besiegt.

In der Offenbarung heißt es dann: „Das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Das Heil ist gerade das, was Gott für uns will. Er will uns zur Quelle bringen, zur Quelle des Lebens, des Heils, zur Quellen dessen, was unserem Leben Halt und Kraft gibt, nicht nur jetzt hier, sondern über den Tod hinaus.

Das ist die Botschaft von Ostern.

Man könnte Jesus ja auch mit einer kraftvolleren Symbolik als der des Lammes verbinden. Warum nimmt man nicht einen Stier, oder einen Adler, oder einen Löwen? Alles Symbole, die mächtige Menschen für sich in Anspruch nehmen. Nein, es ist ein Lamm. Das Lamm, das Unschuld symbolisiert, auch Hilflosigkeit – es geschieht etwas mit ihm. Und durch dieses Geschehenlassen, verändert sich die Welt. Das Lamm durchbricht die Gesetzmäßigkeit von Fressen und Gefressenwerden, davon dass der Stärkere siegt, dass die natürliche Auslese das Weiterkommen bestimmt. All dies ist bei Gott anders. Er liefert sich dem Menschen aus, um ihn zu retten. Um ihn zur Quelle des lebendigen Wasser zu bringen. Um ihm die Last seines Lebens zu nehmen.

Um dem Menschen in der Tiefe seiner Seele die Quelle des Lebens zugänglich zu machen: Gottes Liebe, seine heilende Barmherzigkeit.

Wir wissen es und spüren es, dass so vieles zerbrochen ist in unserer Welt. Wir spüren auch, dass so viel Leid da ist, Leid, das scheinbar keiner sieht, das offenbar sinnlos ist. Die vielen Tränen, die geweint werden, weil sich Menschen so viel antun, es scheint immer und immer wieder völlig ohne Sinn zu sein. So wie der Tod Jesu am Kreuz auch einer von vielen Hinrichtungen der damaligen Welt sein könnte. Die Römer haben viele Menschen gekreuzigt. Für sie war das eine rechtmäßige Strafe für Verbrecher. Und unsere Phantasien lassen uns das auch erleben, wenn wir von grausigen Verbrechen hören und uns darüber aufregen, was Menschen einander antun können und nicht nur antun können, sondern auch tun. Vielleicht  würden auch wir für solche Verbrecher „Kreuzige“ rufen.

Begreifen wir den Tod dieses Lammes? Dass Gott durch den Tod Jesu eine andere Wertigkeit in die Welt bringt? Dass er uns die wahre, die lebendige Quelle des Lebens zeigt?

Oft steckt auf dem Osterlamm eine Fahne. Es soll das Zeichen des Sieges sein.

An Ostern feiern wir einen Sieg. Nicht der Gewalt, nicht der Herrschaft der Mächtigen, nicht der Überlegenheit der Starken – nein, wir feiern den Sieg der Liebe, der Barmherzigkeit. Gott hat den Tod besieht – das ist wahrhaftig das mächtigste, was sein kann. Aber nicht mit seiner Gewalt und mit Heerscharen, sondern indem er sich selbst den Menschen aussetzte, sich selbst hingibt.

Siehe da, er trägt die Sünd der Welt. Für uns. Für mich, für dich.

Siehe da, er hält die Quelle des lebendigen Wassers für uns bereit, für mich, für dich. Er gibt uns davon zu trinken, er speist unser Leben hier auf der Erde, er stärkt und heilt unsere Seele.

Amen

 

 

 

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