Predigt
von Pfarrer Hoffmann-Schaefer
Liebe
Gemeinde!
Wenn ich diesen
Text höre, denke ich: Das könnte gut von einem Straßenprediger kommen, von
einem Fundamentalisten, der gegen die gesamte Welt wettert und ein ziemlich
einfaches Weltbild hat: Schwarz oder Weiß, Licht oder Finsternis, Heilige oder
Unzüchtige – mehr gibt es nicht. Das alles klingt so leicht sektiererisch und
selbstgerecht: »So folgt nun Gottes Beispiel …
Lebt als Kinder des Lichts … « Kinder des Lichts, das könnte doch gut
der Name für eine Sekte sein, oder nicht? Wenn man im Internet googelt, dann
stößt man auch auf obskure Seiten, auf denen die Menschen des Lichtes sich so
nennen. Wir haben hier ja auch am Stadtpark ein Zentrum des Lichtes.
Bei solch einem
mahnenden Text werde ich erinnert an die Menschen, die mit ihren Heftchen am
Bahnhof oder sonstwo stehen und mich aufmerksam machen darauf wie schlimm die
Welt ist und wie ich mich dieser schlimmen Welt entziehen muss, damit ich
gerettet werde.
Aber ist dies noch
die Welt des 21. Jahrhunderts – ist dies noch die Welt des vernünftig und
wissenschaftlich denkenden Christs der aufgeklärten evangelischen Kirche?
Können wir uns als Kirche noch dieser Sprache bedienen? Ist das schwarz-weiß
Denken hilfreich zur Erlangung der Seligkeit?
Ein klares Ja und
ein klares Nein ist oft hilfreich. Als Margot Käßmann mit ihrer beindruckenden
Entscheidung ein klares Ja zu ihrer Tat aussprach und dafür auch die
Verantwortung übernahm, war das wie ich finde vorbildlich. Es war traurig und
ärgerlich, dass ihr das passierte, aber es war vorbildlich wie Sie zu dem stand,
was sie getan hatte. Nichts destotrotz bleibt – sie hat eine Straftat begangen,
die oberste Represäntantin der Evangelischen Kirche hat so unverantwortlich
gehandelt, hat sich gehen lassen, hat Schlimmes in Kauf genommen, weil sie sich
nicht beherrschen konnte.
Man könnte mit dem
Bibeltext des Epheserbriefes sagen. „Darum seid ihr nicht Mitgenossen Gottes“.
Dass ihr euch gehen lasst – nein, schandbares Reden, nein, närrisches und loses
Mundwerk, nein.
Das ward ihr
vielleicht mal, ja ihr ward früher „Finsternis“, aber jetzt seid ihr „Kinder
des Lichts.“
Ja, es besteht
schon ein Zusammenhang mit unserem Verhalten, dem, was wir tun, und unserem
Glauben.
Warum wurde dieser
Brief geschrieben? Gab es einen konkreten Anlass? Gab es einen bestimmten Fall
von Unzucht, Habgier oder Unreinheit? Die Ausleger des Briefes, die Theologen
finden keinen konkreten Anlass. Sie sagen, das war ein Brief, der allgemein
formuliert war und wahrscheinlich auch so in den Gemeinde herumgereicht wurde.
Die Konkretisierung war dann eine Sache der einzelnen Gemeinde, der in ihrer
Versammlung der Brief vorgelesen wurde. Es ist aber deutlich, wenn so etwas
vorgelesen wurde, dann war das ein Thema bei den Menschen christlichen
Glaubens. Wenn es heißt: „Folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder
und lebt in der Liebe.“ so war es den Menschen deutlich, welcher Gott es war,
dem sie da nachfolgten. Es war und ist der Gott der Liebe. Wenn andere ihren
Göttern geopfert haben mit allen möglichen Gaben, seien es Nahrungsmittel oder
anderen Gegenständen, dann ist es im christlichen Glauben Gott selbst, der sich
selbst geopfert hat, nämlich seinen Sohn und damit ein Opfer von uns ein für
allemal unnötig gemacht hat. Ich brauche keine Opfer mehr, keine
Räucherstäbchen oder sonstigen Opfer um Gott zu besänftigen. Auch nicht meine
guten Taten, nein das ist alles schon sozusagen abgegolten.
Martin Luther sagt
von uns Menschen: simul iustus et peccator: Zugleich Sünder und Gerechter.
Wir wissen um
diesen Gott der Liebe, wir glauben daran, dass er uns liebt um unserer selbst
willen, nicht um unserer Tagen willen, wir wollen dann auch dem Beispiel Gottes
folgen, aber wir sind keine göttlichen Menschen, wir können um den göttlichen
Geist bitten.
Noch einmal möchte
ich Martin Luther zitieren, der sagt: „Das christliche Leben ist nicht
Frommsein, sondern Frommwerden, nicht Gesundsein, sondern ein Gesundwerden,
nicht sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe, sondern ein Übung. Wir sinds noch
nicht, wir werdens aber. Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im
Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es aber der Weg. Es glühet und
glänzet noch nicht alles, es bessert sich aber alles.“
Das, was hier
Martin Luther sagt, passt ganz und gar nicht zu dem Sektierer am Straßenrand,
zu dem Schwarz-Weiß Maler der Welt, zu dem, der sich zu den Auserwählten zählt,
die anderen aber sind die Verdammten. Das, was Martin Luther sagt, passt eher
schon in unsere Zeit, wo so oft von dem Weg als das Ziel gesprochen wird. So
meint er es natürlich nicht. Aber ich glaube, der Brief an die Gemeinde in
Ephesus hat das so gemeint, wie auch Martin Luther es hier ausspricht. Gottes
Beispiel folgen ist ein Bemühen um die Liebe, die Liebe zu leben im eigenen
konkreten Leben in dem Wissen, dass es nicht vollkommen ist, bei mir nicht und
auch bei den anderen nicht. Es umzusetzen in den eigenen Beziehungen zu den
Menschen, die man liebt, aber auch zu denen, die man nicht mag, die einem auf
die Nerven gehen, die einem nicht in Ruhe lassen, ja, die Konflikte mit sich
bringen.
Luther sagt:“…es
bessert sich alles.“ Manchesmal merkt man nicht einmal das. Dass sich etwas
bessern soll. Nicht mal bei einem selbst. Ich bin immer auch peccator, Sünder.
Meine Frau hat ein
Patenkind, das zur Zeit ein Jahr lang in einem Internat in England zubringt. An
Weihnachten durften wir auch seine Schulzeugnisse sehen. Und dort gibt es –
anders als bei uns in der Schule in jedem Fach zwei Noten: Die der Leistung und
die des Bemühens. Es wird also auch schon bewertet, wenn ein Schüler sich Mühe
gibt, sich anstrengt, nicht nur das, was er leistet. Und ich glaube, wenn Gott
Noten gäbe - ich bin sicher, dass er es nicht tut, aber wenn er es täte, dann
würde wir nicht nach dem beurteilt, was hinten rauskommt, sozusagen, sondern
nach dem, wie wir uns bemühen, wie wir um den richtigen Weg ringen, wie wir zu
den Fehlern und den Unvollkommenheiten bei uns und anderen stehen.
Im Epheserbrief
steckt nicht nur eine Mahnung in diesem Abschnitt, sondern auch eine Zusage:
»Ihr seid Kinder
des Lichts … « Das ist die Botschaft Gottes, die Botschaft Jesu. Diese
Botschaft ist etwas sehr Elementares, sie bildet das Fundament und den Kern
eines Menschen. Liebe ist ein wirklich gutes Wort dafür, auch wenn es so
verkitscht ist. »Lebt als Kinder des Lichts …
Lebt in der Liebe«, so heißt es auch. Ihr seid wertvoll, geliebt und
frei. Die einfachsten Botschaften sind oft am schwersten zu hören und zu
glauben. Darum noch einmal: Ihr seid wertvoll, geliebt und frei. Darum geht es.
Und dass wir diese Worte in uns wirken lassen und glauben können, dazu verhelfe
uns Gottes Geist. Amen.