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Predigt

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Predigt über 1. Korinther 9, 24-27  am 31.1.2010 in der Lutherkirche

Bibeltext: „Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge, jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber lauf nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.“

 

Liebe Gemeinde,

ich kann mich noch gut erinnern. Ich war 11 Jahre alt, in der Sexta damals, also in der 5. Klasse. Bundesjugendspiele. 50 m Lauf. Immer war ich von den Zeiten her Zweit- oder Drittschnellster in der Klasse. Ich war in keinem Sportverein. Ich spielte viel Fußball auf dem Dorfplatz. Ich ging in die Stadt ins Gymnasium und es gab Klassenkameraden die waren beim Verein, zwei beim USC. Die zwei, vor allem der eine, waren im Laufen immer schneller als ich. Sie traten mit ihren tollen blauen USC-T-Shirts auf – allein das verschaffte schon Respekt. Und ich erinnere mich daran, dass ich bei diesen Bundesjugendspielen rannte und – die schnellste Zeit in der Klasse lief. Die beiden anderen waren um Zehntelsekunden langsamer. Ich freute mich riesig und als ich zu meinem härtesten Konkurrenten schaute, sah ich ihn weinen. Aber irgendwie tat das meiner Freude keinen Abbruch. Ich dachte: Der ist im Verein, ist ehrgeizig, trainiert, trainiert und trainiert – und doch war ich schneller.

Paulus gebraucht einen Vergleich aus dem Sport und immer wenn ich diese Stelle des Paulus aus dem Korintherbrief lese, muss ich an meinen Sieg vor 40 Jahren denken.

„Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“ Den Siegespreis. Das sagt Paulus. Manche Ausleger meinen Paulus greife mit seinem Vergleich daneben. Denn es kann ja wohl im Christlichen Glauben nicht darum gehen, schneller zu sein als andere. Sich anzustrengen, um die anderen vielleicht sogar zu demütigen. Und wenn ich mich daran erinnere wie das war, mit diesen Rennen, dann war ist das doch eine ziemlich einsame Sache. Man läuft und gibt alles. Die anderen müssen einem in dem Moment egal sein. Und der Triumpf ist doch am größten, wenn man alle hinter sich lässt. Vielleicht sogar noch deklassiert wie es der zur Zeit schnellste 100m Läufer Usain Bolt macht. Meint das Paulus wirklich so?

Er meint wohl die Haltung – um zum Ziel zu kommen. Wie er einen Satz vorher sagt: „Das alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.“

Paulus wollte wohl seine Zuhörer in Korinth in ihrer Welt ansprechen, denn es gab die sogenannten isthmischen Spiele, also ähnlich wie die in Olympia. Und die waren wohl auch bedeutend und in den Köpfen der Menschen präsent.

Paulus war es wohl wichtig zu zeigen, dass es darauf ankommt, ein Ziel zu haben, nämlich dem Evangelium gemäß zu leben. Und dass es auch was kostet, wenn man dieses Ziel erreichen will. Vielleicht meinten manche in Korinth man könnte einfach so weiterleben wie bisher, sich nicht um die Gebote von Mose und die Worte Jesu zu kümmern, und trotzdem als Getaufter die himmlische Seligkeit zu erlangen.

Das war wahrscheinlich für Paulus der Widerspruch. Und deswegen greift er zu diesem Bild von den Sporttreibenden, das meiner Meinung nach die Haltung des Glaubens nur teilweise trifft.

Natürlich bedarf es der Anstrengung, damit der Glaube sichtbar ist im Leben. Und wahrscheinlich sind wir mit den Augen des Paulus gesehen vielleicht ganz lasche Christen. Wir haben vieles delegiert. Die soziale Fürsorge füreinander, die Barmherzigkeit des Samariters aus dem Gleichnis, manchmal sogar das Beten und sich auf Gott Besinnen. Manche gehen nie in den Gottesdienst, halten aber für wichtig, dass es das gibt und bleiben weiterhin Mitglied der Kirche.

Paulus aber sagt: Ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn. Das gefällt vielen heutigen Menschen schon gar nicht. Religion und Glaube ist für viele kein Leib bezwingen oder ihn zähmen, sondern es ist eher so etwas wie Wellness. Die Seele baumeln lassen, mal etwas für sich tun, in sich hineinhorchen – danach fühlt man sich viel besser. Und die Theologie – auch des Paulus – sagt doch: Gott nimmt dich Mensch so an wie du bist. Er sorgt für dich. Er liebt dich. Und weil das so ist, darum kannst du Mensch auch so leben, wie Gott es gefällt. Er gibt dir schon die Einsicht, die Kraft und das Vermögen dazu.

Die Verbissenen, die sich bezwingen müssen, die fast zwanghaft das Ziel vor Augen haben – die mögen wir nicht. So wie ich mich bei den Bundesjugendspielen damals freute, als ich gewonnen, obwohl ich eigentlich nie dafür trainiert habe. Der, der sonst immer erster war, der schien mir immer furchtbar ehrgeizig und gleichzeitig damit auch überheblich zu sein. „Ich bin der Beste“. Natürlich war es eine Anstrengung für mich. Es ging nicht einfach so. Aber ich hatte nicht auf diesen Tag der Bundesjugendspiele hin trainiert. Nein, mein Alltag bestand, ja man kann sagen aus Bewegung. Ich kann mich noch gut erinnern. Wenn ich zum Einkaufen geschickt wurde, rannte ich meist dahin. Nach der Schule, nach dem Essen wenn es das Wetter zuließ, rannte ich oft zuerst auf den Sportplatz um dort Fußball zu spielen. Das Training war also in den Alltag integriert.

Wäre das nicht auch die ideale Glaubenshaltung? Etwas, was einem von Gott geschenkt wird. Was man gerne macht – und deshalb tut man es. Kann denn diese Art des Paulus, sich immer zu bezwingen, kann das – gerade in der heutigen Zeit – attraktiv für andere sein. Bin ich das in meinem Glauben ansteckend für andere? Oder sehen sie nicht vielmehr mein angestrengtes Gesicht, sozusagen den Schweiß auf der Stirn, das fast verkrampfte Richtigmachenwollen. Nein, das kann so nicht der Weg des Glaubens sein. Es ist die Haltung, die von Gott erbittet, den richtigen Weg zu sehen und zu gehen. Aber ihn dann auch gerne zu gehen. Das kann man nicht erzwingen, das kann man niemand vorschreiben. Was man sich vornehmen kann, ist, Gott um dieses Geschenk des Glaubens zu bitten.

Paulus sagt: Ich laufe nicht ins Ungewisse. Das muss uns immer wieder bewusst werden. Dass wir als Menschen, als Christenmenschen auf ein Ziel hinlaufen. Wenn ich Gott darum bitte, dann werde ich dieses Ziel erreichen. Dann wird er mich so leiten, dass ich das richtige tue. Dass ich es gerne tue. Und nicht tue, weil ich denke: Ich muss das jetzt so und so machen.

Nicht umsonst sagt Jesus: Werdet wie die Kinder. Damit meint er gerade diese Haltung, dass ich mich in Gott fallen lassen kann, ihn um etwas bitten kann. Kinder können grausam und furchtbar sein. Sie können manchmal nur sich sehen und andere demütigen um selbst besser dazustehen. Da sind Erwachsene oft auch nicht anders. Jesus meint aber die Haltung der Kinder, gerade auch dem Glauben und dem Leben gegenüber – hier können Kinder eher vertrauen, eher loslassen. Sie können sich von Erwachsenen an der Hand nehmen lassen. Und das fällt uns modernen Menschen doch schwer, mit unserem Verstand, unserem naturwissenschaftlichen Denken. Und wir gläubigen Christen wollen natürlich auch in unserem Leben alles richtig machen. Strecken wir doch unsere Hand aus – und lassen uns von Gott an der Hand nehmen. Er zeigt uns schon den Weg. Er zeigt uns, wo wir lang gehen. Und er gibt uns auch die Einsicht und die Kraft, nein und ja an den richtigen Stellen zu sagen. Und vielleicht spüren wir dann manchmal auch seine Hand, die uns einen Schubs gibt und sagt: Jetzt musst du dich anstrengen – lauf!

Amen

 

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