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der Luthergemeinde
Predigt
Konfirmation 2009 Epheser 2,19
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
Epheser 2, 19: „ So seid ihr nun nicht
mehr Fremde und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes
Hausgenossen.“
Gottes Hausgenossen. Dies erlebt Ihr, liebe
Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, gar nicht so. Was ist denn das, Gottes
Hausgenossen sein? Sind wir eine WG, zusammen mit vielen anderen und Gott? WG
heißt übrigens Wohngemeinschaft. Also so weit von dem Begriff Gottes
Hausgenossen gar nicht so entfernt.
Jetzt sind wir hier in der Kirche. Man nennt so ein
Haus auch Gottes Haus. Werdet ihr nun eingeführt in das Haus Gottes?
Ja, zu einem gewissen Teil ist es so. Wir haben uns
regelmäßig getroffen, Ihr die Jugendlichen, wir Pfarrerin Kiworr-Ruppenthal
und ich. Wir haben einiges miteinander erlebt. Die Konfirmandenzeit ist nun zu
Ende. Mit der Konfirmation endet diese Zeit, die Zeit als Konfis eben.
Man könnte sagen: So seid ihr nun nicht mehr Gäste
und Fremdlinge, sondern Mitbürger und Gottes Hausgenossen. Jetzt sollt Ihr also
richtig dazugehören. Hausgenossen, das sind Mitbewohnerinnen und Mitbewohner,
die einiges mit einem teilen. Die Küche und das Bad manchmal, manchmal auch nur
das Dach über dem Kopf. Aber Hausgenossen, das ist eben etwas anderes als es
Gäste sind. Gäste, die schauen rein, man freut sich und irgendwann gehen sie
wieder. Fremdlinge sollte man auch wie Gäste behandeln, aber für manche sind
Fremdlinge etwas, das man eher gleich loswerden will. Aber all’ das seid Ihr
nicht, liebe Konfis. Ihr seid keine Gäste im Hause Gottes, Ihr seid keine
Fremdlinge, sondern ihr seid jetzt Mitbewohner. Die Konfirmation soll das ganz
deutlich machen. Gottes Hausgenossen. Natürlich teilt keiner von uns seine
Küche und sein Bad mit Gott. Wie sollte das aussehen? Ein klein wenig von dem,
was es heißt Hausgenosse zu sein, wird nachher im Gottesdienst aber deutlich
gemacht, wenn wir Abendmahl miteinander feiern. Hausgenossen essen nicht immer,
aber zu bestimmten Gelegenheiten gemeinsam.
Beim Abendmahl seid Ihr nun keine Gäste und
Fremdlinge, sondern Mitbewohner.
Könnte man also sagen: Tut Euch keinen Zwang an,
benehmt Euch wie zu Hause? Abgesehen davon, dass zu Hause auch Regeln gelten,
ist es schon was anderes - aber dann ist
es doch nichts anderes. Es wäre schön, wenn Ihr als Hausgenossen Gottes Euch
auch wie zu Hause fühlen würdet. Vieles war und ist Euch immer noch fremd. Und
für manche auch so fremd, daß sie sagen: Ohne mich.
Noch Konfirmation, aber danach ... und tschüß.
Schade, finde ich auf jeden Fall. Gottes
Hausgenossen. Hier sitzen auch sonst eine ganze Anzahl
von Hausgenossen. Viele machen von ihrem Hausrecht auch ganz selten Gebrauch,
andere öfter. Und es gibt stille Hausgenossen und solche, die hört man überall,
die machen sich überall bemerkbar. Wir sind alle keine Gäste und Fremdlinge
mehr vor Gott, wir sind seine Hausgenossen.
Nachher, wenn wir Abendmahl miteinander feiern, dann
essen und trinken wir gemeinsam, wir essen und trinken in Erinnerung an Jesus
und glauben, daß er auch gegenwärtig ist. Daß er auch unser Hausgenosse ist.
Ihr als Konfirmanden werdet auch als Gruppe mitessen
und mittrinken. Und danach - und das macht vielleicht am ehesten deutlich um
was es bei dem Begriff Hausgenossen geht, danach teilt ihr mit aus.
Wenn Ihr das Abendmahl austeilt, dann heißt das - es
gibt auch keine Unterschiede bei den Hausgenossen. Luther nennt das
„Priestertum aller Gläubigen“. Wenn es schon Heilige gibt, dann sind wir alle
Heilige, Mitbürger der Heiligen, wie Paulus es sagt. Wenn es schon besondere
Christenmenschen geben soll, dann sind wir alle besondere. Alle mit unseren
unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten. Alle mit der unterschiedlichen
Ausprägung des Glaubens und Vertrauens in Gott. Jeder und jede unterschiedlich
als Gottes Hausgenossin und genosse. Und doch sind
wir alle gleichberechtigte Hausgenossen. Wir genießen
alle Hausrecht. Wir teilen uns gegenseitig das Essen und Trinken aus. So macht
Ihr das nachher und so sollte es auch weiter sein in Eurem Leben. Und es ist
nicht verwunderlich, daß hier das Wort „Genosse“
gebraucht wird. Genosse kennt jede und jeder von uns bezogen auf Sozialistische
Parteien. Ursprünglich war dieses Wort eine Bezeichnung für diejenigen, die auf
der gleichen Weide Vieh hielten. Und wurde dann der Ausdruck dafür, daß man rechtlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich eine
Gemeinschaft wurde. So weit geht unser Genossentum
untereinander nicht, daß wir rechtlich und
wirtschaftlich eine Gemeinschaft wären. Aber wir sind doch eine Gemeinschaft
von Gleichen, unter die Ihr Euch auch zählen könnt, liebe Konfis. Gemeinschaft
von solchen, die wissen, daß Gott auch ihr Genosse
ist. Er hält auch auf der gleichen Weide Vieh. Uns interessiert alle genauso
der Zustand der Weide und des Viehs. Wobei ich jetzt keinen als ein Stück Vieh
bezeichnen will. Ich will damit sagen: Als Genossen Gottes haben wir das
gleiche Interesse, daß alle einen Platz finden in
seinem Haus, daß alle gleichberechtigte Hausgenossen
werden und sind. Platz genug ist ja. Für Euch genauso, liebe Hausgenossen, die
Ihre heute konfirmiert werdet, wie auch für Euch liebe Hausgenossinnen, die Ihr
dabei seid, weil eine oder einer aus Eurer eigenen Familie konfirmiert wird.
Übrigens - und damit will ich schließen - ist das keine Hausgenossenschaft zum
Selbstzweck, oder allein zum Essen und Trinken, oder auch nur zum Singen und
Beten. Das Austeilen bezieht sich auf viel mehr. Aber das wäre ein Kapitel für
eine neue Predigt. In dem Lied, das wir jetzt gleich singen klingt es an, wie
Jesus es vorgemacht hat, was Hausgenossenschaft bei Christen bedeutet.
So heißt es in den Strophen:
Einer teilte schon einmal das Brot und es reichte
für alle,
einer nahm sich der Wehrlosen an und erbarmt sich
der Armen, einer lehrt uns dem Feind zu verzeihn und
die Menschen zu lieben, einer machte die Kranken gesund, einer heilte sie alle,
einer ging wie ein Licht vor uns her in den Tod und das Leben.
Amen