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Predigt 22.2.2009  Markus 8, 31-37

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.

33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. [a]

36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden?

37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?

 

Liebe Gemeinde!

Bei Geburtstagen höre ich das ganz oft, eigentlich fast immer. Zum Glückwünsch gehört dazu: „Gesundheit, vor allem wünsche ich Dir Gesundheit. Das ist das Wichtigste, was wir haben.“

Ja, denke ich dann, doch, Gesundheit, sehr wesentlich für das Leben, aber, was machen die Menschen, die nicht gesund sind? Ist Gesundheit das Wichtigste? Und welche Gesundheit? Jesus redet davon, dass er leiden muss. Da ist es vorbei mit der Gesundheit. Petrus reagiert auf die Worte Jesu wie alle Menschen. Menschlich eben, wie er uns so oft geschildert wird. Petrus nimmt Jesus beiseite und will ihm das ausreden, dass er leiden muss. Er will wie alle Menschen Gesundheit für sich und vielleicht sogar noch mehr für die Menschen, die er liebt. So auch für Jesus. Aber Jesus reagiert ganz barsch. Geh weg von mir, sagt er. Du meinst, was menschlich ist, nicht was göttlich, sagt er.  Das ist ja gerade das Sympathische an Petrus, dass er menschlich ist. Er wünscht auch Jesus Gesundheit. Das Wichtigste, was Menschen haben, würde er sagen. In seiner Zeit, in der es noch keine medizinische Versorgung gab, war das ja noch viel wichtiger. Aber was ist Gesundheit, was ist Leid? Einer leidet schon darunter, dass in seiner Wohnung ein Bild schief hängt, oder ewig der Wasserhahn tropft. Das macht mich ganz krank. Andere beginnen zu leiden, wenn sie wirklich Krankheit und Schmerzen trifft. Jesus spricht von Leid, das er erdulden muss. Damit spricht er auch von Gesundheit. Nur meint er eine andere Gesundheit, als wir meinen, wenn wir uns Gesundheit wünschen. „Denn was hülfe es dem Menschen,“ so sagt er, „wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele.“ Er spricht von der Gesundheit der Seele.

Was meint er damit?

Überlegen wir erst einmal, was Anzeichen für die Gesundheit eines Menschen sind: Ein gesunder Mensch hat guten Appetit, er ist offen für andere, kann vieles unternehmen. Wenn es heißt: Er strotzt vor Gesundheit, dann stellt man sich einen rotbackigen Menschen vor, der lacht und fröhlich ist. Gesundheit hat auch etwas mit Stimmung Fröhlichkeit zu tun. Gesundheit ist auch Ausgeglichenheit.  Dass ein Mensch im Gleichgewicht lebt.

Gesundheit der Seele. Damit ist ebenso Offenheit, Fröhlichkeit gemeint, im Gleichgewicht zu leben. Gesundheit der Seele bedeutet für mich auch: Sich der Beziehung zu Gott bewusst zu werden und sich geborgen bei ihm zu wissen. Im Gleichgewicht zu sein mit sich und mit Gott. Nicht immer einfach und doch ist die das Wichtigste für Jesus. Eine Beziehung zu Gott zu haben bedeutet kein griesgrämiges Gesicht. Christen geht ja meist dieser Ruf voraus. Ewige Büßer, schwarz ist auch mein Talar hier. Eigentlich eher die Farbe der Trauer.

Auch wenn Jesus von Leid und Kreuz auf sich nehmen spricht, so setzt dies eine Gesundheit voraus. Gesundheit der Seele. Das ist die Grundlage des Lebens. Wie hieß es vorhin im Taufspruch: „Das Licht der Sonne sehen zu können, bedeutet Glück und Freude.“ Und das kann man ja genauso auf die innere Einstellung, sozusagen auf das Seelenleben beziehen.

Damit ist das Leid in der Welt nicht abgeschafft. Und schon gar nicht verniedlicht. Damit ist kein Leid vergessen.

Jesus will sagen: Wenn deine Beziehung zu Gott im Lot ist, dann ist die Voraussetzung für dein Leben, für ein Gelingen deines Lebens gegeben. Und umgekehrt, wenn Du Schaden an Deiner Seele nimmst, wenn Du Dich Gott und Dir selbst verschließt,  was kann Dir dann noch helfen? Nicht einmal, wenn Du die ganze Welt gewinnst. Wenn Du Schaden an Deiner Seele genommen hast, dann bist Du aus dem Gleichgewicht, dann nützt Dir sonst gar nichts mehr.

Gesundheit – ist es das Wichtigste? Ja, aber nicht nur die äußerliche Gesundheit des Körpers. Für mich gehört zu dieser Gesundheit eben auch dazu die Gesundheit in der Beziehung zu Gott. Von daher erschließt sich das Leben des Christenmenschen. In Jesus hat Gott seine Beziehung zu uns Menschen schon geheilt. Er sagt uns: Du Mensch bist angenommen, geliebt. Und in Jesus geschieht das auch durch Leid, Schmerz und Tod hindurch. Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, sagt Paulus, Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Es trifft uns Menschen Leid und Schmerz. Es trifft uns auch Unglück und Trauer. Das ist uns nicht abgenommen. Und glücklich ist der, bei dem dies nicht das Innerste beschädigt, der trotz allem „das Licht der Sonne sehen kann“.

Im Gleichgewicht mit Gott leben. Das ist das Annehmen und Aufnehmen von etwas in uns hinein, das außerhalb von uns ist. Das ist die Hand nehmen, die uns Gott schon hinstreckt in dem Fröhlichen und in dem Leidvollen.

Jetzt feiern wir die tollen Tage. Wir können fröhlich sein, ausgelassen, wir schlüpfen in Kostüme, in andere Rollen, um aus dem grauen Alltag herauszukommen. Bei manchen, so fürchte ich, ist dieses tolle Ausgelassensein auch ein Weglaufen vor sich selbst. Ein Ventil für die frustrierte und beschädigte Seele – warum sonst sind auf dem Rosenmontagszug so viele so sinnlos betrunken?

Womit ich nichts gegen fröhliches Feiern gesagt haben will. Das kann genauso Ausdruck für ein Leben im Gleichgewicht sein, dass ich richtig feiern kann.

Aber sich betäuben, mit Humba humba täterä, oder mit Alkohol, weil man es sonst nicht aushält, das wäre das falsche Feiern. Da hat die Seele vielleicht schon Schaden genommen.

Ja, wir sollen uns, wenn wir gratulieren, schon Gesundheit wünschen, und wenn es nicht zu fromm klingen würde, könnten wir vielleicht sogar hinzufügen: Gesundheit deiner Seele. Aber das können wir ja auch im Stillen.

Amen

 

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