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Hoffmann-Schaefer
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Predigt
16.11.2008 2. Korinther 5, 1-10
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
2. Korinther 5,
1-10
51 Wir wissen ja: Wenn das irdische Zelt, in dem wir jetzt leben,
nämlich unser Körper, abgebrochen wird, hat Gott eine andere Behausung für uns
bereit: ein Haus im Himmel, das nicht von Menschen gebaut ist und das in
Ewigkeit bestehen bleibt. 2 Weil wir das wissen, stöhnen wir und sehnen uns
danach, mit dieser himmlischen Behausung umkleidet zu werden. 3 Sonst würden
wir ja nackt dastehen, wenn wir den irdischen Körper ablegen müssen.,4 Ja, wir
sind bedrückt und stöhnen, solange wir noch in diesem Körper leben, denn wir
wollen ja nicht von unserem sterblichen Körper befreit werden, um dann nackt da
zu stehen; wir wollen in den unvergänglichen Körper hineinschlüpfen. Was an uns
vergänglich ist, soll vom Leben verschlungen werden. 5 Wir werden auch an
dieses Ziel gelangen, denn Gott selbst hat in uns die Voraussetzung dafür
geschaffen: Er hat uns ja schon als Anzahlung auf das ewige Leben seinen Geist*
gegeben. 6 Deshalb bin ich in jeder Lage zuversichtlich. Ich weiß zwar: Solange
ich in diesem Körper lebe, bin ich vom Herrn* getrennt. 7 Wir leben ja noch in
der Zeit des Glaubens, noch nicht in der Zeit des Schauens. 8 Ich bin aber
voller Zuversicht und würde am liebsten sogleich von meinem Körper getrennt und
beim Herrn zu Hause sein. 9 Weil ich mich danach sehne, setze ich aber auch
alles daran, zu tun, was ihm gefällt, ob ich nun in diesem Körper lebe oder zu
Hause bin beim Herrn.10 Denn wir alle müssen vor Christus erscheinen, wenn er
Gericht hält. Dann wird jeder Mensch bekommen, was er verdient, je nachdem, ob
er in seinem irdischen Leben Gutes getan hat oder Schlechtes.
Liebe Gemeinde,
Als Jugendlicher und Student war ich in den Ferien häufig
mit dem Zelt unterwegs. Mit Freunden, wenig Gepäck und eben so einem kleinen
Zelt für zwei Personen. Bei schönem Wetter und Windstille war das ganz gut.
Aber bei Gewitter und Sturm wurde es ungemütlich darin. Dann konnte man sich
kaum umdrehen, ohne das immer nässer werdende Zeltdach zu berühren und man war
bemüht, die Zeltstangen festzuhalten, damit das ganze nicht über einem
zusammenbricht. Ich kann mich immer noch gut an das Gefühl in mir erinnern bei
nächtlichem Unwetter in diesem Zelt zu liegen, im klammen Schlafsack, über mir
dieses bisschen Stück dünne Zeltplane und draußen der Wind, die Wassermassen,
das Blitzen, das Getöse. Es war nicht viel, was uns da schützte.
Paulus spricht auch von einem Zelt. Luther
übersetzt es mit Hütte, aber Hütte ist immer noch mehr als ein Zelt. Es ist ein
Zelt, das Paulus zum Vergleich gebraucht. Er vergleicht das Leben damit.
Wirklich und wahrhaftig eine dünne Angelegenheit. Bei einer Geburt ist es
spürbar wie nahe Leben und Tod sind. Es ist in der heutigen Zeit meist das
Leben, das bei einer Geburt siegt, wenn auch manchmal mit Hilfe der Ärzte. Aber
trotzdem ist das Scheitern, der Tod immer ganz nahe. Ein Zelt ist keine stabile
Angelegenheit. Schon gar nicht so ein kleines Zelt, wie ich es immer hatte. Es
ist immer nur ganz wenig, was einem von der Katastrophe trennt. In unserer
heutigen Zeit schieben wir das oft beiseite. Wir wollen lieber in stabilen
Häusern, besser noch Palästen leben. Wir wollen nicht, dass das Leben so
zerbrechlich ist. Wir wenden alles auf, unseren Verstand, unsere Wissenschaft,
um dieses fragile Gebilde, Leben, zu retten. Und das ist auch gut so. Aber es
kann auch zu Überheblichkeit führen. Es reizt geradezu mit dem Leben zu
spielen. Weil alles so abgesichert ist, müssen wir heute Canon Clymbing und
Extremsportarten betreiben, müssen wir uns mit Füßen an den Seilen in die Tiefe
stürzen, oder auf die höchsten Gipfel des Himalaya gehen, um diese dünne Wand
zwischen Leben und Tod noch zu spüren.
Das war zur Zeit des Paulus noch nicht nötig. Da war
man durch den Alltag mit der Angst um das zerbrechliche Leben konfrontiert. Da
gab es keine Lebensversicherung, keine Medizin, die so vieles heilen konnte. Da
war das Zeltdach noch sehr viel dünner. Paulus selbst ist mehrere male nur
knapp dem Tod entronnen.
Und da sagt Paulus diese steile These: „Solange ich
in diesem Körper lebe, bin ich vom Herrn getrennt.“ Das scheint ein Satz zu
sein, der vieles von dem aus der Hand schlägt, was zur heutigen Theologie
dazugehört. „Gott ist immer bei dir. Gott ist dir nahe. Gott trägt dich, hält
dich.“ Paulus sagt: In diesem Körper, in diesem Zelt, da bin ich getrennt von
Gott. Es ist verrückt, dieses Leben, an dem ich so hänge, das hält mich davon
ab, Gott zu schauen. Eigentlich heutzutage gar nicht so schwer nachzuvollziehen.
Wir bauen immer mehr Sicherungen um uns herum auf, wir haben immer mehr, wir
besitzen immer mehr. Wir schauen immer mehr auf das, was sich mit unserem
bisschen Leben auf der Erde verbindet. „Ja, was habe ich denn sonst noch?“ Ja,
es ist so – in der heutigen Zeit leben auch wir Christenmenschen so, als hätten
wir nur dieses Leben. Das Erschrecken über den Tod, wenn er uns mal nahe rückt,
ist dabei immer größer. Und was Paulus am Schluss unsere Passage sagt, das
passt so scheinbar gar nicht mehr in unsere Zeit. „Denn wir alle müssen vor Christus erscheinen, wenn er Gericht hält;
Dann wird jeder Mensch bekommen, was er verdient, je nachdem, ob er in seinem irdischen Leben Gutes getan hat oder
Schlechtes.“ Vor dem Richterstuhl
stehen – das können wir schon gar nicht hören in unserer Zeit. Jesus Christus,
der uns beurteilt, Gott, der uns verurteilt. „Gute Mädchen kommen in den
Himmel, böse überallhin.“ So gab es mal den Titel eines Buches. Es passt ganz
und gar nicht in unsere heutige Zeit, was Paulus sagt. Eigentlich erschreckend.
Wäre ich jetzt ein Pfarrer, der vor ein paar hundert Jahren hier über diesen
Predigttext geredet hätte, ich könnte noch unbedarft die Höllenqualen des
ewigen Fegefeuers schildern. Wie wenig uns davon trennt. Wie dünn die Behausung
hier auf Erden ist, die uns von dem Ungestüm trennt. Und von der Errettung
durch Gottes Gnade. Und manchem, vielleicht sogar vielen wäre es in die Glieder
gefahren. Und manches Mal, ich gestehe es, denke ich es wäre und war da
einfacher mit dem Glauben. Vor der Aufklärung.
Aber ich bin ein Mensch der heutigen Zeit.
Aufgeklärt, naturwissenschaftliches Denken verinnerlicht, mit Vernunft und
Verstand ausgestattet – nehme ich mal an.
Heutzutage, als aufgeklärter Mensch, im
wohlgeordneten deutschen Land, habe ich mich doch gut eingerichtet in meinem
Zelt. Selten, dass ich mich mal sehne nach der himmlischen Behausung. Und doch
– es gibt eine Sehnsucht. Und die habe nicht nur ich – die Sehnsucht danach,
den Sinn all dessen zu erfassen, was uns umgibt. Doch, wir wissen um die
Zerbrechlichkeit unseres kleinen Planeten in der großen Weite des Universums.
Doch – wir wissen um das Fegefeuer im menschlichen Leben, um die Katastrophen
des letzen Jahrhunderts und die Möglichkeiten der Entfachung noch viel größerer
Feuer – von uns Menschen selbst. Doch – wir kennen die Angst vor der sinnlosen
Zerstörung, die Angst vor den nahe gerückten Kriegen dieser Welt. Doch – wir
brauchen ein schützende Behausung. Nein – sie ist nicht weg die Sehnsucht. Wie
Paulus es sagt: Was an uns vergänglich ist, soll vom Leben umschlungen werden.
Wir Menschen brauchen etwas, das uns
dieses Behausung gibt.
Unsere so festen Steinhäuser geben uns die
Sicherheit geborgen zu wohnen und manchmal auch zu sein. Und doch ist unser
Leben ja wirklich nur ein Zelt, mit einer dünnen Wand. Und manchesmal sind wir
den Unwettern des Lebens ganz und gar ausgesetzt.
Das Lied, das wir nach der Predigt singen werden,
es ist die Bitte um das Kommen Gottes in unsere Welt. Zu uns. Da heißt es in
der 4. Strophe: Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach
ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt, kaum bis zum Morgen; denn wer sich
wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.
In einer vermeintlichen Sicherheit schiebe ich
diese existentiellen Fragen gerne von mir.
Aber ich glaube die Sehnsucht der Menschen ist so
groß wie eh und je in der Menschheit. Sie ist nur nicht so zielgerichtet wie
bei Paulus. Wenigen, und viele dieser wenigen sind ja hier, wenigen sagt die
Auferstehung Jesu Christi noch etwas. Dass unser Leben hohl und schal ist, wenn
wir nur auf das bisschen Leben setzen – ist uns, die wir sonntags morgens hier
sind eher bewusst.
„In jeder Lage zuversichtlich.“ Das sagt Paulus von
sich.
Zuversichtlich, weil er weiß, dass das nicht alles
ist, was er augenscheinlich erlebt. Er sagt ja, „Wir leben ja noch in der Zeit
des Glaubens, wir leben noch nicht in der Zeit des Schauens.“ Es ist der Glaube
nötig, das Vertrauen. Weil wir – noch nicht – sehen, oder wie Paulus es sagt:
„noch nicht schauen“. Die Sehnsucht ist die Vorstufe des Glaubens, und
irgendwann wird auch der Glaube nicht mehr nötig sein, weil wir eben die
Herrlichkeit Gottes sehen. Aber jetzt brauchen wir den Glauben, für dieses
dünne Zelt, das das Leben doch ist. Wir brauchen das Vertrauen in Gott. Ich
wünsche es mir, uns allen, darum bitte ich, dieses Vertrauen, und diese
Zuversicht des Paulus, täglich. Es ist Voraussetzung für ein unbeschwerteres
Leben, ja für ein unbeschwerteres. Ja, vielleicht nicht mehr Spaß, aber für ein
tröstlicheres, oder würde man heute
eher sagen: Du bist dann cooler drauf? Lockerer? Du nimmst die Sachen leichter?
Früher hätte man eher gesagt wie es in der
Lutherübersetzung heißt: „so sind wir denn allzeit getrost.“
Wir sind ja nicht alleingelassen. Wie sagt Paulus:
Gott hat in uns die Voraussetzung für den Glauben geschaffen: Gott hat uns schon als Anzahlung auf das
ewige Leben den Geist gegeben.
Die letzte Strophe des Liedes, aus dem ich schon
zitierte, nimmt das auf und bittet um Jesu Kommen auch in unser Herz, dass wir
die Zuversicht und das Vertrauen bekommen:
„Komm in unser dunkles Herz, Herr mit deines
Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz, deine Wahrheit uns
verhülle, die auch noch in tiefer Nacht, Menschenleben herrlich macht.“
Amen