Zur Seite von Pfr.
Hoffmann-Schaefer
Zur
Startseite der Luthergemeinde
Predigt 10.8.2008
1. Korinther 3, 9-17
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und
Gottes Bau.
10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund
gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe
zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist,
welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine,
Holz, Heu, Stroh,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des
Gerichts wird's klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von
welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird
er Lohn empfangen.
15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden;
er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist
Gottes in euch wohnt?
17 Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben,
denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.
Liebe
Gemeinde!
Olympiade. Wie viel Schweiß ist
dafür geflossen. Nicht nur in die Bauten in China, nein auch die Sportlerinnen
und Sportler haben sich lange dafür vorbereitet. Manche haben ihr Leben lang
darauf hingearbeitet. Trainiert und sich abgemüht. Nun schaut die Welt auf sie.
Wer dabei sein kann und darf hat schon ein großes Los gezogen. Und wer dann
noch eine Medaille gewinnt ist am Ziel seiner Wünsche. So sieht es für den
Einzelnen aus. Für die Menschheit hat die Olympiade noch eine andere Bedeutung.
Die olympische Idee ist eine ideale Ergänzung der politischen Utopie vom
gewaltfreien Miteinander der Völker dieser Erde. Wir alle leiden unter der
Gewalt in der Welt, wenn auch in unserem Land nicht mehr direkt, so doch
indirekt an den Folgen der Konflikte in der Welt. Und wie zum Zeichen dafür,
dass es in der Welt nicht in Ordnung ist, rollen zu Beginn der Olympiade in
Südossetien die Panzer und sterben Menschen. Bei den olympischen Wettkämpfen
müssen die Athleten nicht mehr mit Gewalt kämpfen, sondern wir sollen uns
freuen am Spiel und die Rivalitäten der Nationen werden nur noch in den
Wettkampfarenen austragen. Aber diese olympische Idee findet ihre Grenzen – wir
merken es, in totalitären Staaten. 1936 hat Hitler die Olympiade für seine
Zwecke missbraucht, Nazi-Deutschland in der Welt gut darzustellen. Wir erleben
jetzt in China, dass ein totalitäres System versucht sich in besseres Licht zu
rücken. Aber dies hat Grenzen. Zensur der freien Berichterstattung, Tibet – das
sind die Schlagworte dazu.
Noch etwas ist bei der Olympiade
wichtig: Der Körper, aus dem die Leistung herausgeholt werden muss, steht im
Mittelpunkt. Ihn gilt es zu pflegen und zu fordern, nicht mit Gewalt also
Doping, sondern allein mit dem Willen.
Der Predigttext für heute weißt
für mich Parallelen zu dem Geschehen der olympischen Spiele auf. Wir haben den
Text vorhin gehört. Paulus leidet unter Streitigkeiten in der Gemeinde in
Korinth. Für ihn gibt es aber eine Idee, der alles zugrunde liegt. Ähnlich wie
bei den olympischen Spielen. Für uns gläubige Christen und für Paulus ist es
natürlich mehr als nur eine Idee, mehr als nur ein Gedanke. Es ist eine Person
gewordene Idee. Wie es bei Johannes heißt: „Das Wort ward Fleisch.“ In Jesus
ist das Ziel Gottes mit uns Menschen deutlich geworden. Aber dieses Wort
Gottes, diese Idee, oder auch gesagt, sein Geist, breitete sich in der ganzen
Welt aus. In der ganzen Welt verstehen wir Menschen uns, besonders die
Christenmenschen als Schwestern und Brüder, als Geschöpfe Gottes, die jede und
jeder Einzelne von Gott geschaffen, ein besonderes einzigartiges Wesen ist. Und
keine Macht der Welt hat das Recht, nicht ein einziges dieser einzigartigen
Geschöpfe Gottes zu quälen, zu foltern, zu töten, sie für die eigenen Zwecke
einzusetzen. Jede und jeder Einzelne hat aber auch die Pflicht und die
Verantwortung für sein Tun. Paulus sagt das in unserem Predigttext: „Wißt ihr
nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt.“ Wir haben,
wie die Sportler auch bei den olympischen Spielen, Verantwortung für unseren
Körper, für das was wir mit ihm tun, denn: wir mit unserem Körper sind der
Tempel Gottes, in dem Gottes Geist wohnt. Wir sind nicht nur einfach die
Zusammenballung biologischer und chemischer Prozesse, wir sind mehr, Wohnung
von Gottes Geist. Wir haben Verantwortung für unseren Körper und für das was
wir damit tun. Das gilt natürlich auch bei den olympischen Spielen für die
Sportler. Wenn sie die Erreichung des Zieles um jeden Preis betreiben, dann
wird das schädlich. Und da sehe ich natürlich die Kehrseite dieser fröhlichen
Spiele. Der Hochleistungssport ist eigentlich nicht etwas, was dem Körper gut
tut. Es ist eine Quälerei. In den Jahrhunderten der christlichen Kirchen, gab
es immer wieder die Tradition, den Körper abzuwerten, ihn zu geißeln, weil man
ihn als Ballast empfand, ihn als Hindernis dafür, es Gott gerecht machen zu
können. Da gab es die sogenannten Flagellanten, die sich selbst peitschend
durch die Straßen zogen. Manches mal kommt mir der Hochleistungssport als
modernes Flagellantentum vor. „Quäl dich“ riefen die Leute am Straßenrand dem
Radfahrer Jan Ullrich zu. Der Körper wird dann sogar als Hindernis empfunden
und man versucht ihn mit allen möglichen Mitteln, eben medizinischen
Substanzen, an die äußerste Grenze der Leistungsfähigkeit zu führen.
Paulus aber sagt es anders: Er
spürt die Verantwortung von uns Menschen für unser Tun auch mit unserem Körper.
Christus ist für ihn der von Gott gelegte Grundstein unseres Lebens. Hier wird
die Liebe, die Barmherzigkeit, und hier wird die Überwindung des Todes zur
Basis des Lebens. Es zählt nicht nur das Hier und Jetzt des irdischen Lebens.
Es gibt ein größeres Ziel. Auf das wir uns vorbereiten, das aber auch schon unser
Leben bestimmt. Wir müssen uns nicht darum kümmern. Es muss ja auch nicht jeder
bei Olympia mitmachen. Es kann ja auch nicht jeder. Das ist bei der
christlichen Idee anders. Es kann schon jeder auf diesen Grund bauen. Es tut
aber nicht jeder. Paulus vergleicht es mit den Materialien, die etwas aushalten
oder nicht: Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh. Die erstgenannten
Materialien sind natürlich beständiger. Es gibt aber welche, die bauen mit
Stroh und das ist für Paulus in dem Vergleich ein Mensch, der sich nicht
gründet auf Christus. Der eben sich nicht als Tempel Gottes versteht. So
erlebte er es in Korinth, so erleben wir es immer wieder im Zusammenleben der
Menschen. Sich als Tempel Gottes zu verstehen, hat nämlich auch Konsequenzen
für das Leben.
So wie die Vorbereitung und die
Durchführung der Olympiade auch ein Ziel hat, nämlich die Verständigung der
Völker, so hat das christliche Leben auch ein Ziel, nämlich das Eins sein mit
Gott und den Menschen. Politisch hat es mindestens die Sprengkraft der
olympischen Idee, nein, eigentlich viel mehr: Paulus sagt – hier gibt es nicht
Jude noch Grieche. Also heute gesagt, nicht Einheimischer noch Ausländer. Nein,
wir gehören alle zur großen Familie Gottes, wir sind sein eigen und wir haben
die Pflicht und die Verantwortung auch so im Kleinen und Großen zu leben. Da
gehört die soziale Verantwortung in der Gesellschaft dazu, wie die
Verantwortung für das friedliche Zusammenleben der ganzen Menschheit.
„Der Tempel Gottes ist heilig.“
Sagt Paulus. Und er setzt etwas Unerhörtes drauf: „der seid ihr!“ Wir Menschen
der heilige Tempel Gottes. Wir sind keine seelenlose Masse, auch wenn es
manchmal so aussieht, wenn man die vielen, vielen Menschen in der Welt sieht.
Wir sind der Tempel Gottes. Deswegen hat die Bewegung der Christen die
Sklaverei bei den Römern abgeschafft. Und auch wenn es heißt, das Mittelalter
sei so finster gewesen, so sehen die wenigsten dabei, dass die Anstöße zum
friedlichen Miteinander, dass das Sozial- und Gesundheitswesen immer von Christenmenschen
aus zutiefst christlicher Motivation ausging, auch wenn immer fanatisierte und
gewaltbereite die christlichen Ideen zur Durchsetzung eigener Machtansprüche
missbrauchten. Das Böse ist damit nicht aus der Welt.
Menschenrechte und Sozialstaat
fußen auf christlichen Grundwerten. Wenn man den Einzelnen sieht, wirklich
sieht, in seiner Bedürftigkeit, wenn man sich selbst und den anderen als Tempel
Gottes sieht, dann kann man ihn nicht mehr missbrauchen und gewalttätig
behandeln. Dann habe ich Verantwortung für den Tempel Gottes, weil er heilig
ist! „Alles ist mir erlaubt“ sagt Paulus. Ja, das ist der Gedanke der Freiheit,
aber jede Freiheit ist auch gleichzeitig die Freiheit des anderen: „Alles ist
mir erlaubt,“ sagt Paulus, „aber nicht alles dient zum Guten.“ Die Freiheit
eines Christenmenschen beinhaltet auch immer die Verantwortung für den heiligen
Tempel Gottes, der nicht missbraucht werden darf, sondern sich immer an dem
Grund, der gelegt ist, orientieren muss: an Jesus Christus, an seiner Nächsten-
und Gottesliebe.
So glaube ich fest, dass dieser
Gedanke auch eine Grundlage ist zum friedlichen Miteinander der Völker.
Dabei sein ist alles, heißt es
bei Olympia. Bei Gott sind wir schon immer dabei – wir müssen es nur merken! Aber
wir müssen es auch wollen.
Amen