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Predigt 15.6.2008 Einführung der neuen Konfirmanden

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

 

Liebe Gemeinde,

„Ich bin getauft“, das, so wird überliefert, schrieb Martin Luther auf seinen Schreibtisch vor sich. Er machte dies als er sich missverstanden und von seinen Gegnern verfolgt fühlte. „Ich bin getauft!“ Er machte sich das also bewusst, als ihn die Angst packte, vor denen, die ihm vielleicht sogar nach dem Leben trachteten.

Er schrieb es nicht auf ein Blatt Papier, sondern auf den Tisch.

(Großes Schild mit dem Satz an die Wand hängen.)

„Ich bin getauft!“

Warum machte Martin Luther das?

Ihm gab das Kraft. Als er sich die Taufe bewusst machte,  bekam er die Gewissheit, dass Gott bei ihm war.

 

Wir Christen vollziehen ja mit der Taufe eine Art Reinigungsritual. Muslime waschen sich vor jedem Gottesdienst, bei Juden gibt es auch rituelle Reinigungsbäder, die Hindus sollen einmal in ihrem Leben in den Heiligen Fluß – den Ganges steigen.

Wir vollziehen mit der Taufe auch symbolisch ein Reinigungsbad. Was wird da weggewaschen? Die Bibel sagt, dass die Sünden vergeben werden. Aber so kleine Babys, wo ist da Sünde? Das Wort Sünde kommt von „Absondern“. In der Taufe wird, symbolisch, alles das weggewaschen, was uns von Gott absondert, was uns von ihm trennt. Da ist nichts mehr, was diesen getauften Menschen von Gott trennt. Da passt kein Blatt dazwischen. Nein, Gott, ist mit diesem Menschen. Und genau deswegen hat Luther das vor sich auf den Tisch geschrieben. „Ich bin getauft.“ Mich trennt nichts von Gott. Ich bin von Gott gehalten und geliebt. Was kann mir dann schon groß passieren? Das verhalf ihm zu einer großen Gelassenheit gegenüber den Gefahren des Lebens.

Und Martin Luther sagte noch mehr: „Taufe ist ein täglich Kleid der Christen“ Also, wenn wir das uns täglich bewusst machen und sozusagen mit uns tragen, dann schützt uns das vor der Kälte des Lebens, vor dem was uns andere zufügen. Es ist keine Versicherung. Nein, es wird jeder  im Leben etwas erlebt haben oder erleben, was ihn an den Rande der Verzweiflung gebracht hat oder bringt. Und da ist es so: Ich bin getauft. Das soll unser tägliches Kleid werden.

Jetzt fangt Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden neu an mit dem Konfirmandenunterricht. Ihr seid getauft worden, manche sogar hier an dem Taufstein, so wie Finja und Aurelia vorhin. Vielleicht sitzen sie auch in 14 Jahren hier oder woanders vor der Kanzel, vor einem Taufstein.

Es ist für manche von Euch noch ungewohnt hier zu sein. Es ist manchmal auch so langweilig in der Kirche. Die Musik ist vielleicht auch nicht gerade die, die ihr hört. Und doch glaube ich, werdet ihr merken, dass da etwas geschieht hier in der Kirche. Vielleicht eben, dass uns bewusst wird, dass wir getauft sind und was die auch für unser Leben bedeutet.

Ihr sollt jetzt in einem Jahr auch Eure Taufe bestätigen. Das heißt Konfirmation. Und vielleicht gelingt es auch einigen, so wie Luther eine Gewissheit für das eigene Leben daraus zu schöpfen. Für andere von euch ist vielleicht eher, ohne dass ihnen das bewusst ist, der Thomas da ein Vorbild. Die Thomaskirche ist ja nach einem Jünger Jesu benannt, der eher zweifelte und fragte. Ja, der selbst als der auferstandene Jesus vor ihm stand, es immer noch nicht glauben konnte. So werden auch einige von Euch denken. Ist das wirklich wahr? Gibt es wirklich einen Gott? Reden sich die Leute, die hier in die Kirche gehen, nicht was ein? Und wo ist dieser Gott? Warum höre ich ihn nicht? Warum gibt es dann so viel Leid in der Welt, wenn Gott die Menschen liebt?

Schön wäre es, wenn durch den Konfirmandenunterricht ihr Euch mit einigen dieser Fragen beschäftigen könnt. Ob es eine befriedigende Antwort darauf gibt? Ich glaube, die meisten Erwachsenen, die hier heute sitzen, haben auch solche Fragen. Und viele versuchen, wie ich als Pfarrer  sich einer Beantwortung der Fragen zu nähern. Aber ob ich es wirklich kann?

Mir hilft natürlich dabei auch das Vorbild von anderen, die aus ihrem Vertrauen in Gott Kraft schöpfen. So z.B. Martin Luther. Der vor sich auf den Tisch geschrieben hat: Ich bin getauft. Ja, ich bin von Gott angenommen, geliebt. Ich bin kein verlorenes Menschlein im großen Universum. Ich bin ein von Gott geschaffenes, geliebtes Wesen.

Und dies sich praktisch wie Kleider an sich zu tragen, wie Luther sagt, jeden Tag – manchmal so selbstverständlich, dass ich es nicht beachte und merke, aber manchmal auch mit dem Augenmerk darauf: Lebe ich wirklich so danach? Bin ich nicht oft falsch angezogen, so dass ich griesgrämig durchs Leben laufe, meine mich auf niemanden verlassen zu können, ja selbst verlassen zu sein?

Aber so ist es doch gar nicht. Ich kann fröhlich durchs Leben gehen. Ich weiß, Gott liebt mich so wie ich bin.

In der römisch katholischen Kirche gibt es einen schönen Brauch. Wenn man in die Kirche geht, erinnert man sich an die eigene Taufe. Wisst Ihr wie das geschieht? Wissen Sie es, wie man das in der katholischen Kirche macht?

Ja, und das wollen wir, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden auch machen. Ihr kommt nach vorne und jeder von euch tunkt seinen Finger ins das Taufbecken und macht sich ein kleines Kreuz auf die Stirn.

Wenn Erwachsene das auch tun wollen, dann kommen Sie doch auch nach vorne zum Taufbecken.

„Ich bin getauft!“ Dies zu wissen gibt mir Kraft und Mut fürs Leben.

Amen

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