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Hoffmann-Schaefer
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Predigt 18.5.2008 Lutherkirche
Mainz Konfirmation
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
Bei dir ist die
Quelle des Lebens
Liebe Gemeinde und heute will
ich euch besonders ansprechen: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!
Ein Glas Wasser. (Pfarrer trinkt aus einem Glas Wasser). Es
tut mir gut, wenn ich daraus trinke, denn heute ist meine Kehle auch ein wenig
trocken. Nicht ganz ohne Aufregung bin ich und wir feiern eure Konfirmation.
Das tut gut. Einfaches Wasser.
Es genügt, um den Durst zu stillen, auch wenn es für uns heute fast etwas
ungewöhnlich ist, dass wir Wasser ohne Geschmack trinken. Auf unserer Fahrt
nach Bethel ist mir aufgefallen, wie viele von Euch dann sagen, selbst wenn sie
ziemlich Durst haben: oh, nur Wasser, nee. Da muss doch etwas drin sein, Süße,
Geschmack, Saft. Irgendwas.
Und vielleicht ist Euch der
Gottesdienst in Eurer Konfirmandenzeit hier oft wie Wasser vorgekommen. Für
Euch ohne Geschmack, fade und manchmal, vielleicht nicht immer, aber manchmal
richtig langweilig: Heute ist es ein wenig anders. Heute sind alle aufgeregt.
Manchmal trinken bei dem
Gewinnspiel „Wer wird Millionär“ die Kandidaten vor Günter Jauch dauernd aus
dem Wasserglas, das vor ihnen steht. Wenn es nicht nur Nervosität ist, merken
sie wie gut es tut.
Wenn man mal richtig Durst
gehabt hat, merkt man, wie es ist, wenn man trinken kann. Ich bin einmal in
meiner Studentenzeit auf eine zweitägige Wanderung in Griechenland mit zu wenig
Wasser los. Was für eine Erleichterung und Erfrischung war es, am nächsten Tag
richtig trinken zu können und nicht immer nur einen kleinen Schluck warmen
Wassers, weil nicht genug da war.
Für manche ist die Kirche, der
Glaube, der Gottesdienst auch so etwas wie ein erfrischendes Wasserglas. Und
manche wollen dann auch nur pures, klares, reines Wasser. Nicht irgendein
zusammen gemixtes Getränk, das eigentlich immer noch mehr Durst macht.
Wir haben hier vorne in der
Mitte ein Gefäß, in das wir auch Wasser hineingießen, um dann einmal in unserem
Leben damit übergossen zu werden. Wir trinken es nicht. Wir benutzen das Wasser
symbolisch. Es ist das Taufbecken. In der Taufe – so glauben wir Christen – machen
wir deutlich, dass wir zu Jesus gehören. Dass wir ihn sehen als die Quelle des
Lebens. Wie es in der Offenbarung heißt: Die Quelle des lebendigen Wassers.
Oder im Psalm: Bei dir ist die Quelle des Lebens.
Ja, ihr seid alle getauft
worden. Einige von Euch sogar auch hier vorne aus diesem Taufbecken. Wir
taufen, um deutlich zu machen: Jesus ist die Quelle des Lebens, aus der wir
Sinn, Halt, Orientierung und Vertrauen ins Leben schöpfen. Die Konfirmation hat
genau auch etwas mit dieser Quelle des Lebens zu tun und ebenso mit dieser
symbolischen Handlung. Ihr seid getauft worden, als ihr Babys ward, manche von
euch waren schon größer. Die meisten von Euch sind nicht gefragt worden. Jetzt
kommt ihr freiwillig hierher. Ihr sitz hier vor dem Taufbecken. Ihr werdet
nicht noch einmal getauft. Aber wir Evangelische empfinden die Taufe von
kleinen Kinder als etwas defizitäres, also etwas, bei dem Entscheidendes fehlt.
Und das holen wir heute nach. Der Konfirmandenunterricht sollte euch bewusst
machen, was es bedeutet Christ und eben damit getauft zu sein. Ich weiß, dass
das immer nur teilweise geschieht. Weil die Menschen, mit denen ihr es zu tun
hattet, einschließlich meiner Person, auch immer nur das rüberbringen können,
was sie selbst empfangen haben. Die Konfirmation soll euch im besten Fall mit
den Worten des 36. Psalmes sagen lassen: „Bei dir ist die Quelle des Lebens“.
Ich weiß, dass das ein großer Anspruch ist. Vielleicht ist es schon viel, dass
Euch bewusst wird, dass ihr getauft seid. Dass ihr immer aus dieser Quelle des
Lebens schöpfen könnt. Dass ihr immer mit dieser Quelle verbunden seid. Und
vielleicht habt ihr es schon gemerkt, wie erfrischend sie ist, wie viel Kraft
im Leben sie geben kann. Wie schön es ist, wenn eine Wasserquelle sprudelt,
genauso schön ist es, wenn man merkt, dass man von Gottes Heiligem Geist etwas
spüren kann. Wenn es euch bisher zu fade war, merkt ihr es vielleicht noch
irgendwann im Leben. Wie gut es tut, mit dieser Quelle des Lebens verbunden zu
sein. Aus dieser Quelle schöpfen zu können. Und vielleicht gerade wenn man
losgeht auf eine Durststrecke des Lebens – zu wissen, ich habe genug von dieser
Quelle dabei, immer mit mir. Mit Eurer Konfirmation sagt Ihr Ja zu dieser
Verbundenheit. Wir feiern das. D.h. aber noch nicht, dass jeder und jede von
Euch aus dieser Quelle schöpft. So wie wir alle immer wieder Zeiten können, wo
uns diese Quelle ausgetrocknet scheint. Wo das Glas nicht nur halb leer,
sondern ganz leer scheint. Wo wir nur auf der Suche sind. Aber es gibt auch
Zeiten, da trinken wir in vollen Zügen daraus. Da merken wir, wie diese Kraft
uns erfrischt, beflügelt, befreit.
Wir alle sind verbunden mit
dieser Quelle. In der Taufe machen wir das symbolisch deutlich. Heute wollen
wir diese Verbundenheit durch die Taufe mit Gott zeichenhaft sichtbar machen.
Jeder und jede von euch erhält hier eine Schnur mit einem Kärtchen dran – da
steht Euer Name und der Konfirmationsspruch drauf.
(Konfirmanden kommen nach vorne machen die Schnüre mit den Kärtchen am
Taufstein fest)
Ihr seid getauft. Ihr seid
festgemacht an Gott. Ihr sagt Ja dazu in Eurer Konfirmation. Es sind relativ
stabile Schnüre hier. Man braucht schon Kraft, um sie abzureißen. Die
Verbindung mit Gott reist eigentlich nie ab. Die Verbindung zu dieser Quelle
ist bei Euch immer da. Auch wenn es vielleicht nicht von Euch aus geht. Auch
wenn das Wasser dieser Quelle euch manchmal gar nicht schmecken mag. Auch wenn
das Leben für Euch einiges bereit hält, was eher trockenem und dürrem Land
ähnelt als einer getränkte, satte Wiese. Die Quelle des Lebens ist immer da.
Gott ist immer mit Euch verbunden. Er hat sich mit uns Menschen verbunden.
Darauf vertrauen wir Christen. In dem Psalm heißt es auch: „Herr deine Güte
reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
So weit wir auch im Leben gehen – Gott ist immer mit uns verbunden. Er reicht
uns immer einen Schluck von der Quelle des lebendigen Wassers. Das wünsche ich
Euch, dass Euch das in entscheidenden Momenten des Lebens bewusst wird und ihr
dadurch befreit und gestärkt durchs Leben gehen könnt.
Amen