Zur Seite von Pfr. Hoffmann-Schaefer                           Zur Startseite der Luthergemeinde

Predigt 18.5.2008 Lutherkirche Mainz Konfirmation

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Psalm 36,10

Bei dir ist die Quelle des Lebens

 

 

Liebe Gemeinde und heute will ich euch besonders ansprechen: Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

 

Ein Glas Wasser. (Pfarrer trinkt aus einem Glas Wasser). Es tut mir gut, wenn ich daraus trinke, denn heute ist meine Kehle auch ein wenig trocken. Nicht ganz ohne Aufregung bin ich und wir feiern eure Konfirmation.

Das tut gut. Einfaches Wasser. Es genügt, um den Durst zu stillen, auch wenn es für uns heute fast etwas ungewöhnlich ist, dass wir Wasser ohne Geschmack trinken. Auf unserer Fahrt nach Bethel ist mir aufgefallen, wie viele von Euch dann sagen, selbst wenn sie ziemlich Durst haben: oh, nur Wasser, nee. Da muss doch etwas drin sein, Süße, Geschmack, Saft. Irgendwas.

 

Und vielleicht ist Euch der Gottesdienst in Eurer Konfirmandenzeit hier oft wie Wasser vorgekommen. Für Euch ohne Geschmack, fade und manchmal, vielleicht nicht immer, aber manchmal richtig langweilig: Heute ist es ein wenig anders. Heute sind alle aufgeregt.

 

Manchmal trinken bei dem Gewinnspiel „Wer wird Millionär“ die Kandidaten vor Günter Jauch dauernd aus dem Wasserglas, das vor ihnen steht. Wenn es nicht nur Nervosität ist, merken sie wie gut es tut.

Wenn man mal richtig Durst gehabt hat, merkt man, wie es ist, wenn man trinken kann. Ich bin einmal in meiner Studentenzeit auf eine zweitägige Wanderung in Griechenland mit zu wenig Wasser los. Was für eine Erleichterung und Erfrischung war es, am nächsten Tag richtig trinken zu können und nicht immer nur einen kleinen Schluck warmen Wassers, weil nicht genug da war.

 

Für manche ist die Kirche, der Glaube, der Gottesdienst auch so etwas wie ein erfrischendes Wasserglas. Und manche wollen dann auch nur pures, klares, reines Wasser. Nicht irgendein zusammen gemixtes Getränk, das eigentlich immer noch mehr Durst macht.

Wir haben hier vorne in der Mitte ein Gefäß, in das wir auch Wasser hineingießen, um dann einmal in unserem Leben damit übergossen zu werden. Wir trinken es nicht. Wir benutzen das Wasser symbolisch. Es ist das Taufbecken. In der Taufe – so glauben wir Christen – machen wir deutlich, dass wir zu Jesus gehören. Dass wir ihn sehen als die Quelle des Lebens. Wie es in der Offenbarung heißt: Die Quelle des lebendigen Wassers. Oder im Psalm: Bei dir ist die Quelle des Lebens.

 

Ja, ihr seid alle getauft worden. Einige von Euch sogar auch hier vorne aus diesem Taufbecken. Wir taufen, um deutlich zu machen: Jesus ist die Quelle des Lebens, aus der wir Sinn, Halt, Orientierung und Vertrauen ins Leben schöpfen. Die Konfirmation hat genau auch etwas mit dieser Quelle des Lebens zu tun und ebenso mit dieser symbolischen Handlung. Ihr seid getauft worden, als ihr Babys ward, manche von euch waren schon größer. Die meisten von Euch sind nicht gefragt worden. Jetzt kommt ihr freiwillig hierher. Ihr sitz hier vor dem Taufbecken. Ihr werdet nicht noch einmal getauft. Aber wir Evangelische empfinden die Taufe von kleinen Kinder als etwas defizitäres, also etwas, bei dem Entscheidendes fehlt. Und das holen wir heute nach. Der Konfirmandenunterricht sollte euch bewusst machen, was es bedeutet Christ und eben damit getauft zu sein. Ich weiß, dass das immer nur teilweise geschieht. Weil die Menschen, mit denen ihr es zu tun hattet, einschließlich meiner Person, auch immer nur das rüberbringen können, was sie selbst empfangen haben. Die Konfirmation soll euch im besten Fall mit den Worten des 36. Psalmes sagen lassen: „Bei dir ist die Quelle des Lebens“. Ich weiß, dass das ein großer Anspruch ist. Vielleicht ist es schon viel, dass Euch bewusst wird, dass ihr getauft seid. Dass ihr immer aus dieser Quelle des Lebens schöpfen könnt. Dass ihr immer mit dieser Quelle verbunden seid. Und vielleicht habt ihr es schon gemerkt, wie erfrischend sie ist, wie viel Kraft im Leben sie geben kann. Wie schön es ist, wenn eine Wasserquelle sprudelt, genauso schön ist es, wenn man merkt, dass man von Gottes Heiligem Geist etwas spüren kann. Wenn es euch bisher zu fade war, merkt ihr es vielleicht noch irgendwann im Leben. Wie gut es tut, mit dieser Quelle des Lebens verbunden zu sein. Aus dieser Quelle schöpfen zu können. Und vielleicht gerade wenn man losgeht auf eine Durststrecke des Lebens – zu wissen, ich habe genug von dieser Quelle dabei, immer mit mir. Mit Eurer Konfirmation sagt Ihr Ja zu dieser Verbundenheit. Wir feiern das. D.h. aber noch nicht, dass jeder und jede von Euch aus dieser Quelle schöpft. So wie wir alle immer wieder Zeiten können, wo uns diese Quelle ausgetrocknet scheint. Wo das Glas nicht nur halb leer, sondern ganz leer scheint. Wo wir nur auf der Suche sind. Aber es gibt auch Zeiten, da trinken wir in vollen Zügen daraus. Da merken wir, wie diese Kraft uns erfrischt, beflügelt, befreit.

Wir alle sind verbunden mit dieser Quelle. In der Taufe machen wir das symbolisch deutlich. Heute wollen wir diese Verbundenheit durch die Taufe mit Gott zeichenhaft sichtbar machen.
Jeder und jede von euch erhält hier eine Schnur mit einem Kärtchen dran – da steht Euer Name und der Konfirmationsspruch drauf.

 

(Konfirmanden kommen nach vorne machen die Schnüre mit den Kärtchen am Taufstein fest)

 

Ihr seid getauft. Ihr seid festgemacht an Gott. Ihr sagt Ja dazu in Eurer Konfirmation. Es sind relativ stabile Schnüre hier. Man braucht schon Kraft, um sie abzureißen. Die Verbindung mit Gott reist eigentlich nie ab. Die Verbindung zu dieser Quelle ist bei Euch immer da. Auch wenn es vielleicht nicht von Euch aus geht. Auch wenn das Wasser dieser Quelle euch manchmal gar nicht schmecken mag. Auch wenn das Leben für Euch einiges bereit hält, was eher trockenem und dürrem Land ähnelt als einer getränkte, satte Wiese. Die Quelle des Lebens ist immer da. Gott ist immer mit Euch verbunden. Er hat sich mit uns Menschen verbunden. Darauf vertrauen wir Christen. In dem Psalm heißt es auch: „Herr deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“ So weit wir auch im Leben gehen – Gott ist immer mit uns verbunden. Er reicht uns immer einen Schluck von der Quelle des lebendigen Wassers. Das wünsche ich Euch, dass Euch das in entscheidenden Momenten des Lebens bewusst wird und ihr dadurch befreit und gestärkt durchs Leben gehen könnt. 

Amen

 

nach oben