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Predigt 24.12.2007 Lutherkirche Mainz

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

Kolosserbrief 2,2

Ihre Herzen sollen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum an Gewissheit und Verständnis, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, 3 in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

 

 Liebe Gemeinde!

„Schatz, kannst du mal kommen?“  Schatz.  Manche Menschen in Paarbeziehungen sprechen sich so an. Oft benutzt, vielleicht vielfach gedankenlos. Aber auch wenn sie sich nicht immer darüber Gedanken machen, mit diesem – auch nebenher – benutzten Kosenamen schwingt immer die wörtliche Bedeutung mit. Schatz. Ich habe einen Schatz gefunden. Einen Partner, eine Partnerin, die mir so viel wert ist, dass nur das Wort Schatz beschreiben kann, wie viel wert mir dieser Mensch ist.

Viele Kinder sind gerne auf Schatzsuche. Es ist dann das Verborgene, was das ganze so reizvoll macht. Die Suche, das Ungewisse! Die Frage auf was man stoßen wird, auf jeden Fall etwas, das wertvoll ist. Eben ein Schatz! Kinder sind dann begeisterungsfähig, nehmen Strapazen auf sich, Umwege, Mühen, wenn es gilt einen Schatz zu finden und ihn zu bergen. Aber nicht nur Kinder. Kaum eine Gruppe von Menschen gilt als so schillernd und aufregend wie Schatzsucher. Geheimnisvoll, gespannt und sich voller Entdeckermut einsetzend bis zum letzten.

Für viele Menschen in der Kirche ist Jesus ein Schatz, manchmal behandelt auch wie ein Schätzchen. Jetzt an Heilig Abend als Kind in die Krippe gelegt. Ist es uns deutlich, welchen Schatz wir da schon haben? Wir nennen uns sogar nach diesem Schatz. Christen. Und viele suchen ihn, machen sich wie die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland auf die Suche nach diesem Schatz. „Suchet mich, so werdet ihr leben“ heißt es bei Amos von Gott. Es gilt auch von Jesus:  Suchet ihn, so werdet ihr leben. Da ist schon die Suche nach ihm ein erfülltes, wirklich gelebtes Leben. So wie die Suche nach einem Schatz einem Menschen ungeahnte Kräfte gibt, Phantasien und Energien freisetzt. Da werden tiefste Gruben gegraben, oder in die tiefsten Gewässer eingedrungen, in unbekannte Gegenden vorgewagt, wenn es gilt diesen Schatz bergen. Und manchmal bricht es wie ein Fieber aus. Goldgräberstimmung –, wenn nach Schätzen gegraben wird, was da alles an Hoffnungen und Phantasien in der Luft liegt!

Und jetzt der Kolosserbrief: In Christus sind alle Schätze. Alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.

Manchmal ist uns Christen eine  Goldgräberstimmung anzumerken. Sogar die Gier und die Rücksichtslosigkeit war in den Jahrhunderten der Kirchengeschichte dabei – dafür den Schatz für sich zu haben, wurden Christen sogar zu Mördern und Brandschatzern. Da hat sich das Menschliche verselbständigt. Wie viele haben sich aber auf den Weg zu Jesus gemacht und tun es noch immer. Die vielen Menschen, die sich für andere einsetzen, die ihre Lebenszeit hingeben, um anderen zu helfen. Und seit neuestem ist auch das Pilgern wieder angesagt. „Bin gerade mal weg!“ Manche sind da hin und weg.

Der Kolosserbrief bezeichnet Jesus selbst nicht als einen Schatz. Er sieht ihn vielmehr als den Ort, an dem Schätze zu finden sind. Ob wir sie finden werden, die Schätze, die in Jesus sind?  Sie sie unter dem Christbaum zu finden? Der Kolosserbrief benennt sie: In Christus sind die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Nein, anders: In Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

Ein Wunder fast, dass wir uns nicht alle draufstürzen, anfangen zu graben, anfangen in die Tiefe zu gehen. Haben wir schon fest gefügte Bilder von Gott und Jesus, glauben wir die Schätze schon alle zu haben? Wir feiern Weihnachten jedes Jahr. Wir berühren mit unserer Art zu feiern auch das, was die Geburt Jesu bedeutet. Wir feiern Geburtstag, aber wie manchmal an einem großen Geburtstagsfest verselbständigt sich die Feier. Das Geburtstagskind selbst hat furchtbar viel Arbeit, aber als Gäste merken wir, wenn wir zuhause sind: Ach, mit dem Geburtstagskind habe ich mich gar nicht unterhalten. So liegt das Jesuskind in den vielen Krippen, aber haben wir Beziehung zu diesem Schatz aufgenommen?

Es ist schön, wenn wir mit Jesus an Weihnachten und sogar im Alltag unterwegs sein können. So wie in der Paarbeziehung: „Ach, Schatz, kannst du mir mal helfen?“ Auch und gerade eine Alltagsbeziehung zu Jesus, das kann schon etwas Gutes sein. Aber wie in einer wirklichen Beziehung, die über Jahre hinweggeht, schleift sich vieles ein und wir dringen manchmal gar nicht zu den Schätzen unseres Partners unserer Partnerin vor. Wir glauben sie so gut zu kennen und doch verbirgt sich vieles. Von Tag zu Tag mehr, wenn wir uns nicht auf die Suche zueinander begeben. Immer wieder. Und die Beziehung zwischen uns Menschen und Jesus nimmt jetzt ja schon 2000 Jahre ihren Gang.

Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis! Bei Jesus verbirgt sich etwas, wie es der Kolosserbrief sagt, das überwältigend ist. Alle Schätze... Wer möchte nicht alle diese Schätze finden:

 

Zu erkennen, welchen Sinn das Leben hat. Die Weisheit zu erlangen, das Richtige im Leben zu tun und das Falsche zu unterlassen. Erkennen, worauf das Leben hinausläuft und zu wissen, was mir Glück und Frieden bringt.

 

Die Schatzsucher in Filmen und in der Literatur haben meistens eine Landkarte, auf der der Schatz verzeichnet ist. Eine Schatzkarte. Was haben wir da? Ist die Bibel diese Karte, auf der verzeichnet ist, wo wir Jesus finden? Einer der wichtigsten Grundlagen für diese Schatzsuche ist sie schon. Aber genau wie bei der Schatzkarte in Filmen und Büchern, muss man sie auch richtig lesen. Sie „richtig rum“ halten. Die Worte richtig verstehen.  Vielleicht sind wir Theologen dazu da, ein wenig Hilfestellung zu leisten. Wir haben auch Hinweise, wann wir wohin müssen. Aber sind es die richtigen Hinweise, können wir sie richtig lesen? Manchmal laufen wir anderen nach, die sagen: Da geht es lang. Aber wenn wir nicht den eigenen Weg finden, sondern nur nachlaufen, werden wir den Schatz nicht finden. Ist das Fest Weihnachten so ein Hinweis darauf, den Schatz zu finden? Ja, schon. Wenn wir Weihnachten nicht als Kommerz oder Gefühlsduselei ablehnen, wenn wir uns darauf einlassen können, wenn es nicht nur die Erinnerung an die eigene Kindheit ist, ja dann kann es schon ein Hinweis auf den Schatz sein. Dann kann es mich tief anrühren, bewegen, mich in meinem Leben bestärken, diesen Schatz zu suchen und manchmal sogar zu finden. Ja, dann kann es auch „Glück“ bedeuten. Das wonach jeder im Leben sucht. Das, worauf jede Schatzsuche letztendlich zielt. „Schatz, kannst du mal kommen!“ Da ist das nicht leicht dahin gesagt. Dann ist das vielleicht mit Ehrfurcht, manchmal sogar mit einem Zittern in der Stimme gesagt, mit dem Zweifel, der sogleich die ganze Fülle des Schatzes zunichte machen kann: Du Schatz, du Jesus, du Fülle der Weisheit und Erkenntnis, du, komm auch zu mir! Komm zu uns – verändere die Welt. Lass mich mein Glück finden, lass die Welt in Frieden und Gerechtigkeit leben.

Der Dichter Paul Gerhardt, den wir in diesem Jahr so oft hörten und seinen 400. Geburtstag feierten, hat das überschwänglich ausgemalt:

In dem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ lässt er die Gemeinde in der letzten Strophe singen und damit will ich die Predigt schließen:

„Eins aber hoff ich, wirst du mir, mein Heiland nicht versagen: dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripplein sein, komm, komm und lege bei mir ein, dich und all deine Freuden.“

Amen  

 

 

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