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Hoffmann-Schaefer
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Predigt 11.11.2007
Lukas 18, 1-8
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
Er sagte ihnen aber
ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten,
2 und sprach: Es
war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute
sich vor keinem Menschen.
3 Es war aber eine
Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen
meinen Widersacher!
4 Und er wollte lange
nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott
nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,
5 will ich doch
dieser Witwe, weil sie mir soviel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht
zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
6 Da sprach der
Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt!
7 Sollte Gott nicht
auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und
sollte er's bei ihnen lange hinziehen?
8 Ich sage euch: Er
wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird,
meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?
Liebe Gemeinde!
Welch ein Text! Nach dem letzten
Satz könnte man richtig loslegen: So eine richtige Strafpredigt. Endlich mal
wieder mit dem Kommen des Menschensohnes drohen. „Meinst du,“ so heißt es bei Lukas, „der Menschensohn werde
Glauben finden auf Erden?“ Ein fast unversöhnlicher Schluss. Wäre wir ein
Jahrhundert vorher hier oder noch ein paar Jahrhunderte vorher, dann hätte ein
Prediger keine Skrupel gehabt, mit dem Fegefeuer zu drohen. Eine gängige
Praxis. Und loszudonnern über die Schlechtigkeit der Menschen, den Unglauben,
das Lotterleben, die verkommene Moral. Um dann die Gläubigen zu ermahnen:
Betet!
Aber so zu argumentieren ist für
uns aufgeklärten Menschen nicht mehr möglich! Und mit Glauben ist doch mehr
gemeint, als die Moral, die für viele flöten gegangen ist. Und natürlich ist es
eine Überheblichkeit des Predigers von der Kanzel aus über die Schlechtigkeit
der Menschen herzuziehen. Hat nicht Jesus all den Moralaposteln gesagt: Wer
ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein?
Das Spannende des Textes liegt
aber nicht in dem letzten Satz, sondern in dem, was uns Lukas über das Recht
schaffen, Recht verschaffen sagt.
Wir leben in einem Rechtsstaat.
Für uns ist es gar nichts Fremdes, wenn in unserem Text von einem Richter die
Rede ist, der Recht spricht. Wir haben eine Rechtsschutzversicherung und fast
sind wir es gewohnt, wenn an uns Unrecht getan wird, dass wir uns einiges, aber
doch nicht alles einfach gefallen lassen. Wir haben Rechte und wir wollen diese
uns nicht einfach nehmen lassen.
Damals gab es noch nicht die Zunft
der Rechtsanwälte, das kann man daraus schließen, dass die Witwe direkt zu
einem Richter geht und dort um ihr Recht kämpft. Sie ist allein, hat vielleicht
kein Einkommen mehr, weil ihr Mann nicht mehr lebt. Und sie will jetzt
überleben. So geht sie zu dem Richter. Vielleicht kämpft sie um ein Häuschen,
ein Stück Land, ein Stück Vieh, das ihr das Überleben sichert. Da lässt sie
nicht locker. Und der Richter, er ist ein Unabhängiger. Er fürchtet sich nicht
vor Gott und nicht vor den Menschen. Vor Gott fürchtet er sich nicht, das
heißt, ihm scheint auch die Rechtsvorschrift der Thora, des Gesetzes Gottes
nicht so wichtig, dass Witwen und Waisen zu beschützen sind.