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Hoffmann-Schaefer
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Predigt 2.9.2007
Matthäus 6, 1-4
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die
nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen
Lohn bei eurem Vater im Himmel. 2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht
vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf
den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3
Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die
rechte tut, 4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das
Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Wer in den Schalterraum der Volksbank geht, den bitten freundliche
Herren, oder seriöse, aber gut aussehende Damen um ein Almosen. Zwar nicht
persönlich, aber in Form von Überweisungsformularen. Frank Elsner bittet
für die ARD Fernsehlotterie, und andere
Prominente geben ihr Konterfei für gute Zwecke. Auch sonst werden wir um unsere
Spenden gebeten. Die Post vor Weihnachten quillt über von Spendenaufrufen
Aktion Mensch, Greenpeace, Brot für die Welt.
Almosen. Es hat dem Wortsinn nach in unserer heutigen Zeit keinen guten
Klang. Almosen sind nebenbei gegeben Kleinigkeiten, mit den man den Beschenkten
fast eher noch beschämt. Natürlich meint Jesus das Wort Almosen hier im Sinn
von Spenden. Und das Spendenwesen ist ganz selbstverständlicher Teil unseres
Gemeinwesens. Wir als Kirchengemeinde sind ganz existentiell auf Spenden
angewiesen. So haben wir auch im Juni um Spenden gebeten als der Wind einen
Schaden vor der Kirche angerichtet hatte. Das Spendenwesen in unserem Land ist
eben ein wichtiger Bestandteil und vielleicht werden wir als Kirchen auch
irgendwann mal nur noch auf die Spendenfreudigkeit der Christenmenschen
angewiesen sein, um unser Kirchen und Gemeinden aufrecht zu erhalten. Dann
würde ich als Pfarrer, wie ich bei einem Kollegen in einem Gottesdienst vor
zwei Jahren in den USA erlebt habe, am Ende der Predigt auf die
Dauerauftragsformulare in den Bankreihen hinweisen und sagen: Ein guter
Amerikaner, äh, ein guter Deutscher, ein guter Christ der vergisst sein Kirche
nicht und bitte überweist den Betrag von monatlich 50 Euro, 100, 200 oder 2000
an unsere Gemeinde mithilfe dieses Dauerauftrages, damit wir unsere Gebäude
unterhalten, und auch etwas für die Alten und Kranken, für die Kinder und
Bedürftigen tun können.
Aber soweit sind wir noch nicht.
Als Jesus die Almosen erwähnte, gab es noch kein Fürsorge- und
Sozialsystem des Staates. Das Almosengeben, bzw. Spenden das war das
Fürsorgesystem. Es war von den religiösen Geboten gefordert die Witwen und
Waisen nicht zu vergessen. Die, die Geld hatten, die sollten die Armen nicht
vergessen und waren zu Almosen aufgerufen. „Einen fröhlichen Geber hat Gott
lieb!“ Jesus stellt mit dem, was er sagt, gar nicht das Almosen- und
Spendenwesen in Frage. Aber Jesus mochte nicht die, die es groß
herausposaunten, die er auch Heuchler nannte, die Almosen gaben und sich damit
brüsteten, aber damit auch meinten, sie erhielten dadurch einen Platz im Himmel
und seien deshalb die besseren Menschen. Habt acht, wie ihr eure Frömmigkeit übt,
das sagt Jesus. Wenn ihr es nur deswegen tut, damit die Leute sehen, was für
gute Menschen ihr seid, dann ist das die falsche Frömmigkeit. In unserem
christlichen Staat ist zumindest die Hilfe für die Witwen und Waisen, für die
Armen selbstverständlich geworden. Und wenn die Zahlen der Kinderarmut
veröffentlicht werden, dann ist das zumindest Thema und jeder weiß es ist
Aufgabe der Allgemeinheit, also von uns allen, dass es weniger arme Kinder in
Deutschland geben sollte. Wir haben die Fürsorge anderen Menschen, eben
Angestellte des Allgemeinwesens übertragen, aber wir stellen die Fürsorge für
Bedürftige an sich nicht in Frage.
Aber darüber hinaus gibt es immer Menschen, die mehr tun. Weil sie merken
ihnen ist es gegeben, mehr zu geben oder auch mehr zu tun. So spenden sie für
Zwecke und Institutionen, die sie für richtig halten und unterstützen wollen.
Jesus stellt nun eine mehr oder weniger weit verbreitete Haltung seiner
Zeit in Frage, die auch immer wieder in der christlichen Religion zum Vorschein
kam und kommt. Nämlich sich durch diese Art vor allen Leuten als der Gute und
Bessere hinzustellen. Da sagt Jesus: das brauchst du nicht. Gott weiß, was du
tust und das soll dir genügen.
In vielen theologischen Kommentaren zu diesem Text wird die Aussage Jesu
auch mit der Rechtfertigungslehre verbunden. Dass Jesus also mit seiner Aussage
die Haltung verurteile, ich könnte mit guten Werken, indem ich Almosen gebe,
auch Gott für mich einnehmen und damit also ein Tauschgeschäft mit Gott
abschließen. Dass Jesus die Einstellung
ablehne: Ich gebe den Armen, du, Gott, gibst mir einen Platz im Himmel.
Ich bin mir nicht so sicher, ob das Jesus hier wirklich gemeint hat, - ob es
ihm nicht einfach menschlich um die Einstellung untereinander ging. Das Erleben
der Erniedrigung auf Almosen angewiesen zu sein und die Einstellung der
Überheblichkeit: Seht welch ein toller Mensch ich bin, was ich alles Gutes tue.
Jesus sagt ja eben am Schluss gerade: Du brauchst nicht den Beifall der Leute,
denn Gott wird dir’s vergelten. Also heißt das schon: Gott sieht dein Werk. Er
weiß auch, aus welchen Motiven heraus du es tust. Und eben wie Paulus es sagt,
gefällt Gott ein fröhlicher Geber am Besten.
Im heutigen Spendenwesen sind manche Spendenorganisationen auch geradezu
darauf angewiesen, dass Spender es auch deutlich sagen, veröffentlichen, denn
sonst würden sie es nicht tun. Sponsoren bei Festen, oder bei diakonischen und
caritativen Aufgaben werden oft auch genannt, gerade wenn es Firmen sind, die
damit für sich werben wollen. Jesus – so denke ich - kannte das alles noch
nicht. Ihm kommt es , wie so oft, auf das Miteinander der Menschen an. Dass es
auf gleicher Augenhöhe geschieht. Dass der Bankier genauso viel gilt wie der
Obdachlose und dass dies auch im Verhältnis von Geben und Nehmen zum Ausdruck
kommen soll. Ich bin vor Gott nicht ein besserer Mensch, wenn ich mehr habe als
andere. Eigentlich erzählt Jesus von dem großzügigen und barmherzigen Gott,
damit es unter uns Menschen ebenso großzügig zugeht. Wenn wir geben, dann weil
wir eben auch großzügig Beschenkte sind. Das kann dann manchmal nicht nur ein
Almosen sein – wie im Gleichnis von der Witwe, die uns der Evangelist Lukas
erzählt, die ihre letzten beiden Münzen in den Almosenkasten legt, also nicht
nur etwas vom Überfluss, sondern ihren ganzen Lebensunterhalt – ja eigentlich
ihr ganzes Leben, voller Vertrauen auf Gott.
So erzählt man sich später in kirchlichen Kreisen von einem 7jährigen
Mädchen, das im Kindergottesdienst die Geschichte von der Witwe hört und
dennoch nicht selbstverständlich ihr mitgebrachtes Geld nicht in die Kollekte
gibt, sondern wieder mit nach Hause nimmt. Daraufhin zur Rede gestellt –
vielleicht sogar mit erhobenem Zeigefinger und dem Hinweis auf die Frau, die
sogar ihr letztes gab – sagt das Mädchen ein wenig empfindlich und spitz: „Man
muss den Leuten ja nicht alles nachmachen!“ Recht hat sie: den Leuten muss man
nicht alles nachmachen – aber vielleicht sollte man beim Spenden und Geben es
Gott nachmachen, seiner Liebe, seiner Großzügigkeit, in der er uns beschenkt
hat und weiter beschenkt!
Amen