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Hoffmann-Schaefer
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Predigt 5.8.2007
Matthäus 13, 44-46
von Pfarrer
Hoffmann-Schaefer
Das Himmelreich
gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und
in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den
Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen
suchte,
46 und als er eine
kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte
sie.
Liebe
Gemeinde!
Goldgräberstimmung.
Einer hat Gold gefunden, alle laufen hin und versuchen auch ihr Glück. Sie
lassen alles hinter sich, verkaufen das, was sie haben, um damit das Gold zu
schürfen. Den großen Gewinn zu machen. Das Glück, das Gold, das alle Mühen und
Sorgen des Lebens vergessen machen soll. Goldgräberstimmung, das gab es
massenhaft besonders in den beiden letzten Jahrhunderten – wir kennen es aus
Geschichten und Erzählungen vor allem aus Nordamerika. Für viele das Glück, für
andere das Ende, nicht nur der Erwartungen und Illusionen, sondern leiblich und
wirklich der Tod. Goldgräberstimmung – irgendeiner hat eine Quelle entdeckt,
aus der man Kapital schlagen kann. Und er setzt alles auf eine Karte. Auch
heute noch ein Phänomen, am Aktienmarkt, bei den Rohstoffen, da eben, wo es
etwas zu holen gibt. Die Gewinner reiben sich die Hände, freuen sich.
Jesus
scheut sich nicht – wie so oft - ein Beispiel aus diesem Bereich des
Materiellen anzuführen. Und seine Anhänger überliefern uns die Worte. Diese
sind so wichtig, dass sie es wert waren, von Matthäus festgehalten und so Teil
der Bibel zu werden. Es ist fast so etwas wie bei einer Goldgräberstimmung.
Einer hat einen Schatz im Acker gefunden. Und es ist ihm so viel wert, dass er
alles verkauft, was er hat. Er setzt alles auf eine Karte, um den Schatz zu
bekommen. Und um die Wichtigkeit und die Eindrücklichkeit zu unterstreichen
erzählt Jesus es gleich noch mal, oder zumindest überliefert uns Matthäus die beiden
Gleichnisse direkt hintereinander. Eine Variante des Themas. Ein
Perlenliebhaber findet die Perle, die er schon immer gesucht hat und verkauft
alles, um sie zu bekommen.
Goldgräberstimmung.
Vielleicht war es bei den ersten Anhängern Jesu genauso. Dass sie wussten – wir
haben den Schatz gefunden. Die Jünger lassen alles hinter sich und folgen
Jesus. Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes, auch Frauen wie Maria von
Magdala. Das ist es, was wir schon immer gesucht haben. Das Geheimnis des
Lebens, die Erfüllung, das Heil. Das Himmelreich gleicht genau dem, sagt Jesus.
Genau dem, was du schon immer gesucht hast. Dir wird alles andere nicht mehr so
viel wert sein, du lässt alles los, damit du diesen Schatz erlangen kannst. Ja,
und das ist es doch, was wir Menschen alle suchen. Die Erfahrung des Glücks und
dann die Freude. Das zu finden, wonach ich schon immer suche. Die Frage nach
dem Sinn des Lebens ist beantwortet. Es ist nur noch Glück da. Nur noch die
tiefe Gewissheit mit allem eins zu sein, mit sich, mit Gott. Das Himmelreich.
Und
hat das dann nicht einen wahrhaften Run ausgelöst? Am ersten Pfingsttag ließen
sich 3000 Menschen innerhalb eines Tages taufen. Das Christentum hat sich
ausgebreitet, mehr und mehr.
Aber
war es nur eine Goldgräberstimmung? Natürlich sage ich nein – es war viel mehr.
Am Anfang war es das wohl, so sagen die historisch forschenden Theologen: die
Erwartung des wirklich nahen Endes, des sofortigen Herbeikommens dieses Glücks
– des Himmelreichs. Diese Generation wird es noch erleben, hören wir Jesus
sagen. „Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis
dies alles geschieht.“ sagt Jesus bei Matthäus im 24. Kapitel. Aber schon
Paulus erahnte, dass wir im Leben noch einiges aushalten müssen. Und er
beschreibt das Leben im Lichte des Himmelreiches; indem er sagt: „als die
Unbekannten und doch bekannt, als die Sterbenden und siehe, wir leben, als die
Traurigen, aber allezeit fröhlich, als die Armen, aber die doch viel reich
machen, als die nichts haben und doch alles haben.“
Ja,
als die nichts haben und doch alles haben. Die Goldgräberstimmung der
Anfangszeit des Christentums ist vorbei. Aber es war nicht so, dass nur noch
ausgebeutete und zerstörte Landschaft übrig blieb, nur enttäuschte und zerstörte Existenzen. Das gab es oft bei
religiösen Ideen und Führern. Nein, es wurde etwas bewahrt durch die
Jahrhunderte, Jahrtausende, etwas, was von dieser Kraft, die wir Christen
„Heiliger Geist“ nennen, getragen wurde und von diesem Glück des Himmelreiches
ausstrahlte. Das uns Christen in einer merkwürdigen, schwebenden Haltung verharren lässt, wie Paulus es beschreibt.
„Als die Traurigen aber allezeit fröhlich, als die nichts haben und doch alles
haben.“ Das sind keine enttäuschten Goldgräber. Eher die, die den Schatz gefunden
haben und um das Glück wissen, das mit ihm verbunden ist. Aber ihn doch nicht
ganz haben. Das Himmelreich auf Erden haben wir nicht. Nicht wie die Jünger und
Anhänger Jesu der ersten Stunde. Wir haben die Enttäuschungen, das menschliche
Leid, die Kriege und Zerstörungen, die Gewalt und die Leidenschaften, die auch
mit den Hoffnungen auf dieses Himmelreich verbunden waren und sind. Wir haben
aber auch die Kraft der Liebe, die sozialen Bewegungen, die Gewalt eindämmen,
Ungerechtigkeiten bekämpfen, Schmerz lindern, gelingendes Leben durch die
Kraft, die von diesem Himmelreich ausgeht.
„Als
die nichts haben und doch alles haben!“ Das ist die Beschreibung des
christlichen Lebens. Wir haben nämlich die Perle wie dieser Kaufmann, wir haben
den Schatz des Ackers. Es ist Gottes bedingungslose Liebe, die in Jesus
offenbar wurde. Aber wir haben den Schatz nicht sichtbar und greifbar,
begreifbar unter uns. Deswegen haben wir auch nichts und doch alles. Es lässt
sich so leicht als „Nichts“ abtun. „Alles wissenschaftlich widerlegt, ich
glaube nur, was ich sehe“ – und all die oberflächlichen Aussagen. Es ist alles,
was wir haben. Die Fülle des Lebens und des Glücks. Das will Jesus mit dem
Gleichnis sagen. Deswegen verkauft der Mensch alles, um diesen Schatz zu
bekommen, der Kaufmann setzt alles ein, was er hatte, um diese Perle zu
besitzen.
Ein
Schatz hat auch immer etwas Geheimnisvolles. Und so ist er uns im Leben oft
verborgen und geheimnisvoll. Aber manchmal, oft ist es nur ein Augenblick, von
dem wir lange zehren können, manchmal spüren wir etwas davon, dass wir diesen
Schatz haben, spürt jede und jeder von uns etwas von der Erfüllung dieser
Sehnsucht nach dem Himmelreich, von der Kraft, die uns durchströmt, von diesem
absoluten Eins-Sein. Das Himmelreich auf Erden – was für ein Glück!
Amen