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Predigt 8.7.2007 

Jes 43,1  Taufe – ein Wasserzeichen

von Pfarrer Hoffmann-Schaefer

„Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, und dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

 

Liebe Gemeinde!

Wir haben den kleinen Paul getauft. Mit Wasser, wie schon viele Kinder vor ihm an diesem Taufbecken getauft wurden.

Dass die Taufe ein Zeichen ist, das wissen wir alle. Dass es mit Wasser geschieht, das wissen wir auch und haben es eben gesehen. Die Taufe ist also ein Zeichen mit Wasser. Ein Wasserzeichen.

Was ein Wasserzeichen ist, das wissen wir auch. Als wir mit dem Konfirmandenunterricht begannen, holte ich einen Geldschein heraus. Da drauf oder drin ist solch ein Wasserzeichen. Und in manch besseren Papieren, oft Briefpapieren ist ein Wasserzeichen. Es ist ein Zeichen das man so beim Draufschauen zwar manchmal sehen kann, aber doch nicht erkennt, was es ist. Man muss es gegen das Licht ansehen. Dann sieht man es.

Auf so ein Blatt Papier kann viel geschrieben werden: Gescheites und Dummes, Böses und Gutes, Buntes und weniger Buntes. Man kann, wenn mit Bleistift geschrieben, radieren oder durchstreichen, wenn mit Kugelschreiber geschrieben wurde. Ein Blatt Papier kann zum Schluss sehr schön aussehen und doch chaotisch.

Egal, was auf dem Papier drauf ist, ob Kritzelei, Chaos oder vollendete Schönschrift, was nicht zerstört werden kann, ist das Wasserzeichen im Papier. Es sei denn, man vernichtet das Papier selbst. Man kann das Wasserzeichen nicht wegradieren. Man sieht es auch noch, wenn auf dem Papier geschrieben wurde. Wenn man es gegen das Licht hält, schimmert es immer durch.

Ich will einmal den Vergleich wagen. So wie das Blatt Papier ist auch der Mensch. Am Anfang ist er noch ein unbeschriebenes Blatt. Aber schon bald zeichnet sich bei ihm einiges ab. Ob er aufmerksam oder eher in sich ruhend ist, fröhlich oder launisch. Und viele beginnen auf ihm zu schreiben. Die Eltern, Großeltern, Erzieherinnen, Lehrer, Freunde. Manches, was dann darauf geschrieben ist, das perlt ab wie ein Filzstift auf einer Plastikfolie, anderes wird wegradiert, anderes sogar unterstrichen, manches versuchen wir weg zu streichen und es bleibt doch mehr oder weniger hässlich sichtbar. Manches schreiben wir immer weiter.

Doch – beschriebene Blätter sind wir allesamt. Beschrieben mit Gescheitem und Dummem, mit Bösem und Gutem, beschreiben mit dem was unsere Eltern uns ans Herz legten, mit den Erfahrungen, die wir mit Freunden machten und machen, mit manch einem Satz eines Lehrers, der ein ganzes Leben lang auf und in uns geschrieben bleibt. Wir sind beschrieben mit dem, was uns das Leben lehrt.

Und dieses beschriebene Blatt, das wir sind, es trägt seit dem Tag der Taufe ein Zeichen aus Wasser. Vom Tag der Taufe an tragen wir das Wasserzeichen Taufe. Das Zeichen, das sagt: Wir gehören Gott. „Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, und dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Gott hat uns geschaffen. Jeden einzelnen von uns. Jeder von uns ist eine Einzelanfertigung. So wie jedes Blatt Papier einzigartig ist, auch wenn es vielhunderttausendmal vorkommt. Und dann ist jeder von uns unterschiedlich beschrieben.

Mit dem Wasserzeichen Taufe ist mir zugesagt: Gott nimmt dich an. Gott ruft mich bei meinem Namen. Es ist mir zugesagt, es ist dir zugesagt, es ist Paul zugesagt.

Wir sind von ihm erlöst, wir sind von ihm mit hinein genommen in das wunderbare Geschehen der Erlösung, wir sind gerufen mit Namen, nicht vergessen, nicht verwechselbar, einzigartig.

Das ist das Wasserzeichen. Es ist meistens gar nicht an uns zu sehen. Man sieht es in der Regel nicht äußerlich, es ist verborgen. Doch wenn wir im Lichte Gottes stehen, wenn Gottes Licht uns leuchtet, wenn einer uns im Lichte Gottes sieht, dann wird es sichtbar, dieses Zeichen. Niemand kann es wegradieren, niemand kann es durchstreichen. Was auch immer geschrieben wird, gemalt, radiert, unterstrichen und durchgestrichen auf dem Blatt unseres Lebens: Das Wasserzeichen Taufe wird stehen bleiben. Es wird immer gelten: dass wir Gott gehören. Dass Gott uns annimmt. Dass wir in seiner Hand sind und bleiben.

Und hier hört vielleicht auch die Analogie mit dem Blatt Papier auf. Es besteht für uns sogar die Zusage, dass dies über unseren Tod hinaus gilt. Wenn das Papier weg ist, verbrannt oder vermodert, dann ist auch das Wasserzeichen weg. Das ist beim Menschen körperlich auch so. Wir sind dann nicht mehr da. Aber das Wasserzeichen Taufe steht dann für etwas. Es steht dafür, dass Gott uns erlöst hat. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.“ Auch wenn diese Worte des Propheten Jesaja eigentlich für das Volk Israel gilt, deuten wir Christenmenschen es als die Nachfolger des Juden Jesus auch auf unser Leben. Das Wasserzeichen Taufe steht dafür, dass Gott uns annimmt und aufnimmt über unser Leben und Sterben hinaus. Das Wasserzeichen soll uns in unserem Dasein immer daran erinnern. Martin Luther hat in seinen bängsten Stunden auf den Tisch geschrieben: Ich bin getauft. Das beinhaltet allen Trost der Welt, alle Gewissheit, alle Antwort auf die Frage nach dem Inhalt des Daseins. Das gab ihm Kraft weiterzumachen in lebensbedrohlicher Situation. So soll es auch für uns ein Halt und eine Kraftquelle sein. Das Bewusstsein: Ich trage das Wasserzeichen Gottes an mir, in mir, mit mir.

Unzerstörbar. Ich bin untrennbar mit Gott verbunden, mit seiner Zusage der Erlösung. Paulus drückt das in seinem Brief an die Gemeinde in Rom inhaltlich gut, aber formal etwas umständlich aus. Er schreibt: „So sind wir ja mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.“

Das heißt also: Christus ist der Garant für die Erlösung. Die Taufe nimmt uns mit hinein in seinen Tod und seine Auferstehung. Die Taufe ist etwas, was nicht wieder weggeht, sondern uns deutlich werden lässt, dass wir mit Christus in der Auferstehung gleich sein werden.

Aber das hat Folgen für unser Leben. Das Wasserzeichen also, die Taufe, bestimmt auch zum Teil das, was wir auf das Blatt unseres Lebens schreiben, oder wie wir es schreiben. Wenn uns bewusst ist, dass wir durch Christus untrennbar mit Gott verbunden sind, dann hat das Auswirkungen auf unser Leben.

Amen 

 

 

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